Das Frauenforum des Synodalen Wegs der deutschen Katholischen Kirche steht vor der Herausforderung, ein Jahrhundert von Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit zu bearbeiten – von der historischen Frauenbewegung über innerkirchliche Forderungen nach Anerkennung der Frauenwürde bis zur Forderung nach Zugang zu allen Ämtern und geschlechtergerechter Sprache. Die Diskussionen im Forum spalten sich in mehrere Positionen: Während konservative Stimmen eine weitergehende Veränderung für unmöglich und unnötig halten und sich auf die „gottgewollte Rolle" von Frauen berufen, fordern andere ungeduldig eine sofortige Öffnung aller Ämter für Frauen und die Überwindung binärer Geschlechterkategorien.
Der Text skizziert drei strategische Ansätze für den Umgang mit dieser Spannung: Die erste Strategie bleibt im Rahmen geltender Lehre und Recht und konzentriert sich auf praktische Umsetzung bereits möglicher Ziele wie die 30-Prozent-Quote für Frauen in Leitungspositionen. Die zweite Strategie hinterfragt die Kategorien selbst und argumentiert für eine Überwindung der bipolaren Geschlechterordnung zugunsten von Gerechtigkeit und Befreiung als zentrale Evangeliumsprinzipien. Die dritte Strategie setzt auf theologische Argumentation und will zeigen, dass traditionelle Gründungen gegen die Frauenordination – etwa die Behauptung, nur Männer könnten Christus repräsentieren – theologisch überholt sind. Sie ruft dazu auf, sich auf die öffnenden Impulse des II. Vatikanischen Konzils zu besinnen und die diskriminierenden Machtverhältnisse kritisch zu benennen.