Der Autor setzt sich kritisch mit der päpstlichen Entscheidung „Ordinatio sacerdotalis" von 1994 auseinander, die mit höchster Autorität verkündet, dass die Kirche nicht die Vollmacht besitze, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Gegen diese Position bringt er mehrere theologische Argumente vor. Zunächst zeigt eine exegetische Analyse des Neuen Testaments, dass Jesus keine Vorsorge für kirchliche Ämter traf, da er das unmittelbare Ende erwartete. Die Zwölf hatten eine spezielle Funktion als Repräsentanten des erneuerten Israel, nicht als Vorbild für ein priesterliches Amt. Hingegen waren auch Frauen unter den Aposteln – Paulus nennt ausdrücklich Junia und andere Mitarbeiterinnen als Apostel. Die zentrale Aufgabe der Apostel war die Verkündigung und Aufsicht, nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden.
Historisch konstatiert der Autor, dass der „eine Ordo" der drei Weiheämter eine Fiktion ist. Die Geschichte des Christentums zeigt vielfältige Beispiele, dass Frauen Dienste und Kompetenzen wahrnahmen, für die heute Ordination erforderlich wäre. Der endgültige Ausschluss von Frauen ist daher theologisch nicht zwingend begründet. Entscheidend ist die hermeneutische Erkenntnis, dass weder exegetischer noch historischer Befund uns heute die Entscheidung abnehmen kann, ob wir Frauen weiterhin von ordinierten Ämtern ausschließen wollen. Treue zu Jesus Christus erfordert vielmehr die Frage, was Christus heute von der Kirche will.