Der Artikel analysiert die wachsende Gegenbewegung gegen Gender-Forschung und Gender Mainstreaming im Jahr 2016. Der Autor argumentiert, dass populistische und konservative Kräfte – von politischen Parteien über etablierte Kirchen bis zu Bestseller-Autoren – Gender-Ansätze systematisch diskreditiert haben. Die Kritiker operieren dabei mit mehrschichtigen Angriffslinien: Sie bestreiten der Gender Studies wissenschaftliche Legitimität, behaupten negative Folgen wie das Zurückbleiben von Jungen oder unfaire Quotenregelungen und charakterisieren die Berücksichtigung geschlechtlicher Vielfalt in Schulen als „Frühsexualisierung" und „Umerziehung".
Besonders einflussreich sind dabei religiös und theologisch begründete Positionen. Der Artikel dokumentiert, wie konservative theologische Kreise schöpfungstheologische Argumente gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften und nicht-binäre Geschlechtsidentitäten mobilisieren und die „heteronormative Familie" als gottgewollte Ordnung verteidigen. Selbst Papst Franziskus charakterisierte 2016 Gender-Theorie als „weltweiten Krieg zur Zerstörung der Ehe". Exemplarisch zeigt sich dies am Streit um den Bildungsplan Baden-Württemberg, wo Proteste die explizite Verankerung von Akzeptanz sexueller Vielfalt verdrängten. Die Forderungen nach Schutz von Familie und Kindern dienen dabei als ideologische Deutungsfolie für fundamentale Kritik an Gleichstellungsarbeit. Mit dem Einzug der AfD in zehn Landesparlamente haben diese Anti-Gender-Positionen 2016 auch parlamentarische Legitimation erlangt.