Das Medium eignet sich sehr gut für den Religionsunterricht der Sekundarstufe, da Menschenwürde, Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Verantwortung und der Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt zentrale Themen religiöser und ethischer Bildung darstellen. Als Einstieg empfiehlt sich eine offene Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet, dass jeder Mensch die gleiche Würde und die gleichen grundlegenden Rechte besitzt. Die Lernenden können zunächst Situationen aus ihrem Alltag sammeln, in denen Menschen unterschiedlich behandelt, ausgeschlossen oder benachteiligt werden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer bloßen Verschiedenheit von Menschen und einer diskriminierenden Bewertung dieser Verschiedenheit. Das Material betont, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Eigenschaften ausgegrenzt werden, sondern aufgrund von Einstellungen und Vorurteilen anderer.
Die erste Aufgabe des Arbeitsblattes eignet sich als niedrigschwelliger Einstieg in den universellen Charakter der Menschenrechte. Die Lernenden vervollständigen den Satz „Jede oder jeder hat Anspruch auf seine oder ihre Menschenrechte, egal …“. Die Ergebnisse können zunächst individuell formuliert und anschließend im Klassenverband gesammelt werden. Danach bietet sich ein Vergleich mit Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, welche Merkmale sie selbst genannt haben, welche in der Erklärung vorkommen und welche möglicherweise fehlen. Gleichzeitig lässt sich verdeutlichen, dass die Konkretisierung und gesellschaftliche Umsetzung der Menschenrechte einen fortdauernden Prozess darstellt.
Einen besonderen Schwerpunkt sollte die Auseinandersetzung mit den Begriffen Rassismus, Sexismus und Ableismus bilden. Die Lernenden können zunächst eigene Definitionen formulieren und anschließend anhand von Beispielen überprüfen, ob diese Definitionen ausreichen. Gerade der Begriff Ableismus dürfte für einen Teil der Lerngruppe neu sein. Deshalb sollte ausreichend Zeit für seine Klärung eingeplant werden. Im Material wird Ableismus als Bewertung von Menschen anhand körperlicher oder geistiger Fähigkeiten beschrieben, bei der Menschen auf das reduziert werden, was sie vermeintlich können oder nicht können. Die Lernenden sollten dabei nicht lediglich Begriffsdefinitionen auswendig lernen, sondern erkennen, wie entsprechende Denkmuster und Zuschreibungen im Alltag wirksam werden.
Für eine kreative und differenzierende Erarbeitung können die Lernenden Diskriminierungsformen in einfachen Texten, Bildern, Comics, Fotografien, Theaterszenen oder Hörbeiträgen erklären. Dadurch können unterschiedliche Fähigkeiten innerhalb der Lerngruppe berücksichtigt werden. Besonders sinnvoll ist eine Präsentationsphase, in der die Lernenden ihre Darstellungen gegenseitig erläutern und ergänzen. Unterschiedliche Perspektiven werden dadurch sichtbar und können zum Ausgangspunkt eines vertiefenden Unterrichtsgesprächs werden.
Anschließend bietet sich eine arbeitsteilige Beschäftigung mit unterschiedlichen Menschenrechtsabkommen an. Kleine Gruppen können sich mit der UN Behindertenrechtskonvention, der UN Frauenrechtskonvention, der UN Antirassismuskonvention oder der Kinderrechtskonvention auseinandersetzen. Als Leitfragen eignen sich: Welche Rechte werden geschützt? Vor welcher Form von Benachteiligung soll das Abkommen schützen? Welche Bedingungen müssen in einer Gesellschaft geschaffen werden, damit diese Rechte im Alltag tatsächlich verwirklicht werden? Das Material schlägt dafür ebenfalls Gruppenarbeit vor und empfiehlt unterschiedliche Präsentationsformen wie Plakate, Präsentationen, Gebotsschilder, Verbotsschilder oder Hörbeiträge.
Für den Religionsunterricht ist eine Verbindung zwischen Menschenrechten und Menschenwürde besonders ergiebig. Die Lernenden können untersuchen, wie sich die Vorstellung von der gleichen Würde jedes Menschen religiös begründen lässt. Je nach Unterrichtszusammenhang können Vorstellungen von der Gottebenbildlichkeit des Menschen, das Gebot der Nächstenliebe, Jesu Hinwendung zu ausgegrenzten Menschen oder biblische Gerechtigkeitsvorstellungen herangezogen werden. Dabei sollte zugleich herausgestellt werden, dass Menschenrechte unabhängig von einer bestimmten religiösen Überzeugung für alle Menschen gelten. Eine weiterführende Fragestellung könnte daher lauten, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen religiösen Begründungen der Menschenwürde und dem universellen Anspruch der Menschenrechte bestehen.
Besonders geeignet ist das Material außerdem, um den Unterschied zwischen Gleichbehandlung und Gerechtigkeit zu diskutieren. Nicht in jeder Situation bedeutet eine identische Behandlung automatisch eine gerechte Behandlung. Das Medium verdeutlicht dies anhand von Beispielen, bei denen unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden müssen, damit tatsächlich vergleichbare Chancen entstehen. Im Unterricht können die Lernenden eigene Beispiele entwickeln und diskutieren, wann eine unterschiedliche Behandlung gerechtfertigt oder sogar notwendig sein kann. Dadurch wird ein differenziertes Verständnis von Gleichheit und Gerechtigkeit gefördert.
Eine anspruchsvollere Vertiefung ermöglicht die Reflexion eigener Vorurteile und Denkmuster. Das Material weist ausdrücklich darauf hin, dass Rassismus, Sexismus und Ableismus nicht lediglich Einstellungen einzelner Personen sind, sondern in gesellschaftlichen Denkstrukturen vorkommen können. Vorgeschlagen wird beispielsweise ein simuliertes Bewerbungsverfahren, bei dem zunächst Bewerbungen mit persönlichen Angaben und anschließend anonymisierte Bewerbungen beurteilt werden. Die anschließende Auswertung fragt danach, welche Kriterien die Entscheidungen beeinflusst haben und inwiefern Diskriminierung dadurch begünstigt werden kann. Eine solche Methode sollte sensibel moderiert werden. Einzelne Lernende sollten nicht dazu gedrängt werden, persönliche Diskriminierungserfahrungen offenzulegen. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Untersuchung gesellschaftlicher Mechanismen und nicht die persönliche Bewertung einzelner Mitglieder der Lerngruppe.
Auch das soziale Modell von Behinderung kann vertieft werden. Der im Material aufgegriffene Gedanke „Behindert ist man nicht, behindert wird man“ eignet sich als Diskussionsimpuls. Die Lernenden können konkrete Situationen untersuchen und unterscheiden, ob eine Einschränkung durch eine individuelle Beeinträchtigung, durch eine räumliche Barriere, durch fehlende Unterstützung oder durch gesellschaftliche Einstellungen entsteht. Eine Erkundung des eigenen Schulgebäudes kann diese Fragestellung konkretisieren. Dabei können neben baulichen Hindernissen auch sprachliche, digitale, kommunikative und soziale Barrieren berücksichtigt werden.
Als Abschluss bietet sich eine Transferaufgabe an, in der die Lernenden überprüfen, wo Menschenrechte in ihrer eigenen Lebenswelt konkret werden. Sie können beispielsweise einen Menschenrechtscheck für Schule und Alltag entwickeln. Dabei untersuchen sie Fragen der Teilhabe, Barrierefreiheit, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und des Schutzes vor Diskriminierung. Die Ergebnisse können in einer gemeinsamen Erklärung der Lerngruppe zusammengeführt werden. Auf diese Weise führt das Medium von der Kenntnis einzelner Menschenrechte über die kritische Reflexion gesellschaftlicher Ungleichheit hin zu der Frage, welche Verantwortung Menschen selbst für eine gerechtere und inklusivere Gemeinschaft übernehmen können.
Die Einleitung gelingt über ein Video zu Diskriminierung. Die von den Lernenden erstellte Vervollständigung des Satzes zum allgemeinen Anspruch auf Menschenrechte wird mit dem Artikel der UN-Menschenrechtskonvention verglichen. Fehlende Kategorien wie Geschlecht werden thematisiert. Somit zeigt sich, dass Menschenrechte mit der Entwicklung der Gesellschaft erweitert werden sollten und andauernde Basis für Verhandlungen sind. Links zu Material für die Internetrecherche sind im PDF enthalten. In einem letzten Schritt wird die strukturelle Ungleichbehandlung auch in Deutschland trotz einer ausgedehnten gesetzlichen Grundlage thematisiert. Auch hier sind Links für eine Recherche in Gruppenarbeit angegeben.