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Dissens?! Ein Gedankenanstoß mit Jacques Rancière

Veröffentlichung:1.5.2026

Die Debatte um Autonomie der Theologie versus bischöfliches Lehramt wirft grundlegende Fragen nach legitimem Dissens in der Kirche auf, doch zwei übersehene Kritikpunkte – die Abwesenheit von Frauen und fehlender Weltbezug – deuten auf blinde Flecken der Diskussion hin.

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Der Artikel analysiert eine kirchliche Debatte, die sich an einem Kongress in München 2015 entzündete: Theologen forderten ein „wissenschaftliches Lehramt" der Theologie, das unabhängig neben dem bischöflichen Magisterium bestehen sollte. Bischöfe hingegen betonten das Lehramt als notwendigen Garant für Einheit und Wahrheitsfähigkeit des Glaubens angesichts der Pluralität akademischer Diskurse. Diese Auseinandersetzung ist nicht neu – sie wurde bereits durch den Konflikt um Humanae Vitae geprägt und zieht sich durch die gesamte Nachkonzilszeit. Der Kern der theologischen Diskussion liegt in der erkenntnistheoretischen Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen von Dissens in der Kirche. Während die neuscholastische Tradition auf Assensus als Glaubensprinzip setzte, bringen theologische Studien den Konsens der Gesamtkirche zur Geltung und problematisieren damit die strikte Trennung zwischen lehrender und hörender Kirche. Beide Positionen streben letztlich nach kirchlicher Einheit als Voraussetzung für die sakramentale Selbstoffenbarung Gottes. Doch der Autor weist auf zwei kritische Leerstellen hin, die die Debatte in Frage stellen: Erstens waren unter den Diskussionsteilnehmern keine Frauen vertreten – was auf einen stillen Konsens über legitime theologische Akteure hindeutet. Zweitens zeigten sich junge Theologinnen enttäuscht, dass der Kongress trotz seines Anspruchs eines „Aggiornamento des Aggiornamento" wenig zu den drängenden Zeichen der Zeit Stellung nahm.

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