Der Artikel kritisiert die mangelnde Relevanz kirchlicher Lehräußerungen zur Familie trotz großem synodalen Aufwand. Die zentrale These lautet: Die katholische Kirche verwechselt ihre Rolle beim Thema Familie. Während Familie und Ehe universale, in allen Kulturen vorhandene Institutionen sind – nicht kirchliche Erfindungen – verhält sich die Kirche wie der Schweizer Agent aus der Werbung, der Urheberrechte einfordert. Dies ist strukturell unangemessen. Die Kirche hat bei Familie nur Gaststatus wie bei allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen. Dieser Status muss sich in ihrer Rhetorik spiegeln: Sie sollte als Gesprächspartnerin auftreten, nicht als Eigentümerin.
Der Autor fordert systematische Selbstreflexion des kirchlichen Lehramts im Synodenprozess ein – wie in der Wissenschaft üblich. Ohne solche Reflexion droht eine „Super-Position" ohne kritische Distanz. Konkret werden drei „Brillen" benannt, die das kirchliche Sehen färben: die zölibatäre Perspektive (Entscheidungsträger ohne eigene Familienerfahrung), die patriarchale Struktur (männliche Dominanz bei Themen, die Frauen und Männer betreffen) und die klerikale Brille (Anmaßung von Zugriffsrechten auf intime Entscheidungen). Der deutsche Synodalbericht erkenne zwar an, dass Familie dem Staat vorausgehe – und damit auch der Kirche – diese Konsequenz wird aber nicht vollständig gezogen.