Unter christlichem Einfluss wurden in der griechischen Sprache neue Begriffe geprägt und änderten bereits gebrauchte Begriffe ihren Sinn. Das erklärte Friedrich Schleiermacher mit der „sprachbildenden Kraft des Christentums“. Hermann Cremer verwendete philologische Methoden, um die Sonderstellung und sogar die Inspiration der Bibel nachzuweisen. Adolf Deissmann hingegen erklärte den Bibeltext ausschließlich aus seiner sprachlichen Umwelt. Tatsächlich entstanden christliche Sprachformen nicht plötzlich, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Neutestamentliche Wörterbücher spiegeln diese Debatte wider. Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist unsere Welt neu geworden.1 Sie hat sich religiös verändert: Jesus Christus hat uns Erlösung und Heil gebracht. Die Welt hat sich auch geschichtlich verändert. Das Christentum ist entstanden und hat Länder und Epochen geprägt. Ferner hat sich die Welt ethisch-moralisch verändert durch neue Impulse der Nächstenliebe und der Sorge für die Armen. Die These, die im Folgenden erörtert wird, sagt in Entsprechung dazu: Durch die Fleischwerdung des göttlichen Wortes hat sich auch die menschliche Sprache deutlich verändert. Mit einem geprägten Ausdruck schreibt diese These dem Christentum eine sogenannte „sprachbildende Kraft“ zu. Darüber wurde in der evangelischen Theologie des