Dichten und Denken stehen für Martin Heidegger in groäer Nähe zueinander jeweils als „Sage der Wahrheit des Seins". Beide realisieren in der Sprache die Beziehung zwischen Mensch und Sein in der Annäherung an die Wahrheit des Seins und die Eröffnung dieser Wahrheit für den Menschen. Dennoch sind sie nicht identisch. Der Denkweg Heideggers führt in die not-wendige seinsgeschichtliche Zwiesprache von Dichten und Denken. Da die Dichtung für ihn jedoch immer schon offenbar sein muss, bevor sich ihr das Denken überhaupt widmen kann, fällt Heideggers Antwort auf die Frage dieses Beitrages negativ aus. Ist die Dichtung eine Art von Philosophie oder die Poesie eine mögliche Ausdrucksform des Philosophierens? Hören wir auf Martin Heidegger 1889–1976 , der durch seine katholische Sozialisation schon früh einen Zugang zur Literatur und Dichtung fand.1 Er wuchs hinein ins Spannungsfeld zwischen der katholischen Milieuliteratur und der kleindeutsch-preuäisch-protestantischen Nationalliteratur vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs