Der Artikel von Martina Kumlehn analysiert religiöse Bildung als Kernthema der Religionspädagogik und ihre historischen sowie konzeptionellen Grundlagen. Religiöse Bildung wird als unabschließbarer lebenslanger Prozess charakterisiert, der die Frage nach dem Sinn des Lebens und der existenziellen Orientierung zentral macht. Der Bildungsbegriff selbst ist in christlich-religiösen Traditionen verwurzelt, von denen er sich in der Moderne zwar verselbständigt hat, aber nicht völlig gelöst hat. Die anthropologische Grundlage bildet das biblische Motiv der Gottesebenbildlichkeit (Genesis 1,27), das nicht auf einzelne Eigenschaften abzielt, sondern auf die grundsätzliche Relationalität des Menschen zwischen Selbstverantwortung und Gottesbeziehung. Ein zentrales theologisches Deutungsmuster ist Peter Biehls Unterscheidung zwischen Personsein (von Gott geschenkt) und Subjektsein (durch Bildungsprozesse zu entwickeln). Das Konzept der Rechtfertigung und des Gottvertrauens korrespondiert mit dieser Sicht und bedeutet, dass menschliche Bildung auf einem Vertrauen in das ruht, was der Mensch nicht selbst hervorbringen kann. Die religiöse Bildung muss daher das Verhältnis zwischen Gottvertrauen und Selbstvertrauen in ihrer Eigenständigkeit bewahren, um eine authentische Selbstbildung zu ermöglichen. Der Artikel zeigt, wie religiöse und allgemeine Bildungstheorie in interdisziplinärem Dialog stehen können, ohne ineinander aufzugehen.