Der Artikel des WiReLex behandelt das evangelische Denkschriftenwesen als Institution öffentlicher Theologie der EKD. Denkschriften werden als Überbegriff für verschiedene öffentliche Verlautbarungen der evangelischen Kirche definiert und dienen der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Grundfragen. Das Konzept der öffentlichen Kirchenrede wird anhand von vier Dimensionen analysiert: pastoraler, diskursiver, politikberatender und prophetischer Dimension. Der Autor dokumentiert die historische Entwicklung von frühen Denkschriften 1936 und 1945 über das Zeitalter der Denkschriften ab 1962 bis zur Gegenwart mit über 130 EKD-Texten. Wichtig sind dabei die leitenden Prinzipien Sachgemäßheit und Schriftgemäßheit, die eine wissenschaftlich fundierte und theologisch begründete Argumentation gewährleisten. Denkschriften entstehen durch institutionalisierte Kammern und Kommissionen und durchlaufen ein Verfahren der Ratszustimmung. Der Artikel untersucht auch die Unterscheidung zwischen Zeugnis und Dienst als komplementäre Aufgabenbereiche, wobei politisches Engagement als "politische Diakonie" verstanden wird. Die Denkschriften dokumentieren das Selbstverständnis einer Kirche, die ihre Stimme in Fragen von Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie einbringt und damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt.