Der Artikel von Andreas Renz erschließt den interreligiösen Dialog aus katholischer Sicht in seiner historischen Entwicklung, konziliaren Grundlegung und gegenwärtigen Herausforderungen. Ausgehend von einer begrifflichen Abgrenzung gegenüber der innerchristlichen Ökumene zeigt der Artikel, wie das dialogische Paradigma durch Ordenstheologen vorbereitet wurde, die in missionarischen Kontexten die Eigenständigkeit und den Wert anderer Religionen entdeckten. Als entscheidende Zäsur erscheint die Schoa, die die Kirche zur Aufarbeitung ihres Antijudaismus zwang und die theologische Grundlage für eine erneuerte Israeltheologie schuf. Herzstück des Artikels ist eine eingehende Analyse der Konzilserklärung „Nostra aetate" (1965): Sie formuliert erstmals positiv die bleibende Bundesbeziehung Gottes mit Israel, würdigt den islamischen Glauben, erkennt in allen Religionen Wahres und Heiliges als Wirkung des universalen Heilshandelns Gottes an und überwindet implizit das exklusivistische Modell – ohne jedoch die Heilsmittlerschaft Jesu Christi aufzugeben. Dialog und Zeugnis werden als komplementär verstanden. Die Rezeptionsgeschichte nach dem Konzil – Errichtung des Päpstlichen Rates, Friedenstreffen in Assisi, Papst Johannes Paul II. – wird ebenso dargestellt wie die vier Ebenen heutiger Dialogpraxis (Alltag, gemeinsames Handeln, theologischer Austausch, spiritueller Dialog) sowie strukturelle Hindernisse und die Notwendigkeit lokaler Kontextualisierung.