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Kirche in Not

Kirche in Not

Pilatus

Wer war der Mann, der Jesus Christus zum Tode verurteilt hat?

Veröffentlichung:23.8.2023

Das Video setzt sich mit der historischen Person Pontius Pilatus auseinander und vergleicht die Darstellung in den Evangelien mit den Erkenntnissen der modernen Geschichtsforschung. Ausgehend von archäologischen Funden und antiken Quellen wird gezeigt, dass Pilatus ein entschlossener römischer Statthalter war, der seine Macht konsequent durchsetzte. Gleichzeitig wird erläutert, warum die Evangelien ihn zurückhaltender und schwankender darstellen. Das Gespräch beleuchtet außerdem die Zusammenarbeit zwischen Pilatus und dem Hohepriester Kajaphas, die Hintergründe der Verurteilung Jesu sowie die Frage nach der historischen Zuverlässigkeit der Evangelien. Abschließend wird die Entwicklung des christlich jüdischen Verhältnisses bis in die Gegenwart thematisiert und erklärt, weshalb Pontius Pilatus im Glaubensbekenntnis erwähnt wird.

Sein Name hat es bis in das Glaubensbekenntnis geschafft. Obwohl er kein Großer der Weltgeschichte war, kommt sein Name in der Chronik der Menschheit häufiger vor als die eines bedeutenden Herrschers oder Entdeckers: Pontius Pilatus. War der Mann, der Jesus Christus zum Tode verurteilt hat, ein skrupelloser Machtmensch oder ein willenloser Spielball des Volkes? Der Neutestamentler Lothar Wehr informiert über den Stand der Pilatus-Forschung, mit Moderation von Volker Niggewöhner.


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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe, um historisches Lernen mit biblischer Exegese zu verbinden. Die Lernenden können zunächst ihre Vorstellungen von Pontius Pilatus sammeln und mit der Darstellung in den Evangelien vergleichen. Während des Videos können Arbeitsaufträge vergeben werden, bei denen Aussagen aus den Evangelien den historischen Quellen gegenübergestellt werden. Anschließend bietet sich eine Auswertung im Plenum an, in der die Unterschiede zwischen historischer Forschung und theologischer Deutung herausgearbeitet werden. Das Video fördert die Kompetenz, biblische Texte als Glaubenszeugnisse zu verstehen und gleichzeitig ihren historischen Hintergrund kritisch zu reflektieren. Besonders geeignet ist das Medium für Unterrichtseinheiten zur Passion Jesu, zur Entstehung der Evangelien, zur historisch kritischen Bibelauslegung sowie zum Verhältnis zwischen Christentum und Judentum. Ebenso kann die Frage behandelt werden, wie Vorurteile entstehen und welche Verantwortung eine sachgerechte Auslegung biblischer Texte für den christlich jüdischen Dialog besitzt. Durch weiterführende Quellenarbeit, Gruppenarbeit oder Diskussionen können die Lernenden unterschiedliche Perspektiven einnehmen und ihre Urteilsfähigkeit vertiefen.


Pontius Pilatus im historischen und theologischen Kontext – Eine differenzierte Betrachtung

Im Rahmen der Sendung Glaubenskompass erläutert der Neutestamentler Prof. Lothar Wehr die Figur des Pontius Pilatus auf Basis historischer und biblischer Quellen.

1. Historische Quellenlage:

Pontius Pilatus ist eine historisch belegte Person. Archäologische Funde (z. B. eine Inschrift in Cäsarea Maritima) sowie literarische Quellen wie Tacitus, Flavius Josephus und Philo Alexandrinus bestätigen seine Existenz. Diese Quellen zeichnen Pilatus als autoritären, teilweise grausamen Machtmenschen – im Gegensatz zur Darstellung in den Evangelien, wo er oft als schwankend und vom Volk getrieben erscheint.

2. Verhältnis zu Kaiphas und politische Interessen:

Pilatus hatte ein gutes Verhältnis zum Hohenpriester Kaiphas. Beide verband das Interesse an Stabilität. Kaiphas wurde unter Pilatus lange im Amt belassen – ein Zeichen für ihre Kooperation. Die Verurteilung Jesu lässt sich als Ergebnis dieser politischen Interessen deuten: Pilatus sah in Jesus einen potentiellen politischen Aufrührer (vgl. die Kreuzesinschrift „König der Juden“).

3. Biblische Darstellung und theologische Intention:

Die Evangelien zeichnen Pilatus als zögerlich, um seine Verantwortung am Tod Jesu zu relativieren. Hintergrund war wohl die apologetische Absicht der frühen Christen, sich gegenüber der römischen Staatsmacht zu rechtfertigen und die Schuld stärker dem jüdischen Establishment zuzuschreiben. Dies führte im Lauf der Kirchengeschichte zu problematischen antijüdischen Tendenzen.

4. Judentum und frühes Christentum:

Die Polemik gegen das Judentum im Neuen Testament hängt mit schmerzhaften Trennungsprozessen zwischen jüdischen und heidenchristlichen Gemeinden zusammen. Historisch gesehen hatte Jesus viele jüdische Anhänger; die Verurteilung wurde von bestimmten Kreisen um den Hohenpriester betrieben – nicht vom gesamten Judentum.

5. Wandel im jüdisch-christlichen Verhältnis:

In der Neuzeit hat sich das Verhältnis zum Judentum verbessert – besonders durch die Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Es gibt heute intensive Dialoge und eine differenziertere Sicht auf das Judentum zur Zeit Jesu.

6. Historischer Wert der Evangelien:

Die Evangelien enthalten sowohl theologische Deutungen als auch historische Erinnerungen – besonders die Passionsgeschichten gelten als früheste und historisch gehaltvolle Teile der Evangelien.

7. Bedeutung von Pilatus im Glaubensbekenntnis:

Die Erwähnung von Pontius Pilatus dient der historischen Verankerung des Todes Jesu. Sie soll deutlich machen: Jesu Tod am Kreuz war ein reales, geschichtliches Ereignis – eine Reaktion auf frühe Lehren, die dies bestritten.

Didaktischer Hinweis für Lehrkräfte:

Diese Inhalte bieten einen idealen Zugang zur kritischen Auseinandersetzung mit biblischen Texten, der Frage historischer Wahrheit im Religionsunterricht sowie zum interreligiösen Dialog (besonders im Hinblick auf Antijudaismus und Versöhnung).


Fragestellungen zum Video mit Antworten


Wer war Pontius Pilatus?

Pontius Pilatus war der römische Statthalter in Judäa und ist sowohl durch archäologische Funde als auch durch antike Schriftquellen historisch belegt.


Wie beschreiben historische Quellen den Charakter des Pontius Pilatus?

Historische Quellen schildern ihn als entschlossenen und teilweise grausamen Machthaber, der seine politischen Interessen konsequent durchsetzte.


Warum unterscheiden sich die Evangelien von den historischen Quellen?

Die Evangelien verfolgen ein theologisches Anliegen. Sie deuten die Ereignisse aus der Perspektive des Glaubens und stellen Pilatus deshalb zurückhaltender dar als viele historische Quellen.


Warum wurde Jesus von Pilatus zum Tod verurteilt?

Pilatus betrachtete Jesus als möglichen politischen Aufrührer und als Gefahr für die römische Herrschaft. Deshalb ließ er ihn kreuzigen.


Welche Rolle spielte der Hohepriester Kajaphas?

Nach den historischen Überlegungen dürfte Kajaphas die Anklage gegen Jesus unterstützt und mit Pilatus zusammengearbeitet haben.


Warum ist das Bild von den Juden in den Evangelien problematisch?

Einige Texte können den Eindruck vermitteln, das gesamte jüdische Volk trage Verantwortung für den Tod Jesu. Die heutige Forschung betont jedoch, dass dies historisch nicht zutrifft und nur bestimmte religiöse und politische Gruppen beteiligt waren.


Wie hat sich das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum verändert?

Nach den Erfahrungen des Holocaust und durch den intensiven Dialog hat sich das Verhältnis deutlich verbessert. Heute wird großer Wert auf gegenseitigen Respekt und eine differenzierte Auslegung biblischer Texte gelegt.


Wie zuverlässig sind die Evangelien als historische Quellen?

Die Evangelien enthalten viele historische Erinnerungen, verbinden diese jedoch mit theologischen Deutungen. Deshalb müssen sie sowohl als Glaubenszeugnisse als auch als historische Quellen gelesen werden.


Warum wird Pontius Pilatus im Glaubensbekenntnis erwähnt?

Seine Erwähnung ordnet den Tod Jesu in die Geschichte ein und macht deutlich, dass die Kreuzigung ein historisches Ereignis war.


Welche Bedeutung hat das Video für den Religionsunterricht?

Das Video hilft den Lernenden, zwischen historischer Forschung und theologischer Deutung zu unterscheiden, biblische Texte kritisch zu reflektieren und Vorurteile gegenüber dem Judentum abzubauen.

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