Der Artikel behandelt Erfahrung als Leitkonzept der Religionspädagogik, das in allen maßgeblichen Lehrplänen verankert ist, aber begriffstheoretisch häufig unklar bleibt. Riegger unterscheidet zunächst drei alltägliche Bedeutungen von Erfahrung: Informationsvermittlung über Geschehnisse, unmittelbares Erleben und Fühlen, und etymologisch das Bereisen und Durchwandern als Weg zu Vertrautheit und Klugheit. In der Religionspädagogikgeschichte zeigen sich Konjunkturen des Erfahrungsbezugs (liberale Religionspädagogik, Korrelationsdidaktik) und Abbrüche (Evangelische Unterweisung, kerygmatische Bewegung). Seit 2000 findet eine Neubestimmung statt, die zwischen zwei Perspektiven unterscheidet: Die erste nutzt lebensweltliche Erfahrungen von Schülern als Ausgangspunkt; die zweite sieht Chance in fremden religiösen Erfahrungen. Peter Biehl hat sich seit den 1970er Jahren mit kritischem Erfahrungsverständnis auseinandergesetzt, während Bernhard Grümme einen alteritätstheoretischen Ansatz auf Basis asymmetrischer Dialogstrukturen entwickelt, der die Fremdheit und Autorität der biblischen Botschaft bewahrt. Käbisch und Schröder zeigen rezeptionsgeschichtliche Forschungswege auf, die philosophische, psychologische und soziologische Perspektiven einbeziehen. Der Artikel betont, dass Erfahrung im religiösen Lernen verschiedene Formen annimmt: elementare Erfahrungen, Symbolerfahrungen und Schlüsselerfahrungen sind empirisch belegt. Das zentrale Problem bleibt die fehlende begriffliche Klarheit: Unterschiedliche Autoren, theologische Disziplinen und selbst einzelne Werke verwenden Erfahrung in variierenden Bedeutungen. Der Artikel fordert daher eine Umreißung der Vielfalt von Erfahrungsverständnissen unter Berücksichtigung ihrer Strukturmerkmale, ohne dabei in ein inhaltlich unbestimmtes Verständnis zu verfallen. Schließlich wird eine anthropologische Perspektive angestrebt, die Erfahrung im Kontext menschlichen Daseins und menschlicher Lebensorientierung klärt.