Die Evangelische Unterweisung war ein religionspädagogisches Konzept, das den evangelischen Religionsunterricht in Deutschland von nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre bestimmte. Ihre Ursprünge liegen in der kulturkritischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg, als Intellektuelle die liberale Theologie und deren anthropologisch-psychologische Ausrichtung radikal kritisierten. Helmuth Kittel formalisierte das Konzept 1947 in seiner Schrift zur Evangelischen Unterweisung programmatisch. Die theoretischen Grundlagen bildete die Dialektische Theologie Karl Barths, die Gottes Offenbarung als radikale Kritik an menschlichen Kulturprojekten und Religion verstand. Gerhard Bohne, der Hauptvertreter der dialektischen Religionspädagogik, entwickelte eine Didaktik, die Religionsunterricht nicht als Bildung, sondern als Störung der Bildung von Gott her verstand und Schüler zur existenziellen Entscheidung aufrufen sollte. Diese Konzeption führte zu einer fundamentalen Spannung: Der Unterricht musste sich schulisch legitimieren, sollte aber gleichzeitig gegen alle Bildungsbemühungen protestieren, und die Entscheidung des Glaubens ließ sich methodisch nicht planen, musste aber unterrichtlich angebahnt werden. Martin Rang beschrieb den Unterricht als Kirche in der Schule und als nachgeholten Taufunterricht, während Oskar Hammelsbeck ihn als kirchliche Aufgabe verstand, aber mit anderen Feldern kirchlicher Arbeit verknüpfte. Das Konzept war strukturell ähnlich in seiner Entstehung nach dem Ersten und seiner Umsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt von Krisenzeiten und Neuorientierungsbedarf. Die Beziehung der Protagonisten zum Nationalsozialismus erscheint ambivalent, wobei einige wie Hammelsbeck im Kontext der Bekennenden Kirche wirkten.