Bernhard Grümme untersucht den Begriff der Gleichheit als rätselhaftes, aber populäres Ideal mit großer Relevanz für Schule und Religionspädagogik. Er definiert Gleichheit terminologisch als relationale Kategorie, die die Ununterscheidbarkeit verschiedener Objekte in einer bestimmten Hinsicht bezeichnet und voraussetzt, dass die verglichenen Entitäten in anderen Aspekten unterschiedlich sind. Der Text differenziert fünf Gleichheitsprinzipien: formale, proportionale und moralische Gleichheit sowie Präsumption und Verantwortungsprinzip. Grümme weist nach, dass Gleichheit deskriptive und präskriptive Dimensionen besitzt und intrinsisch mit Gerechtigkeit verbunden ist, ohne sie jedoch vollständig zu erschöpfen. Er diskutiert die Warum-Gleichheit-Debatte zwischen Egalitaristen (Rawls, Habermas, Dworkin) und Non-egalitaristen (Nussbaum, Walzer), die unterschiedliche Grundlagen der Gerechtigkeit betonen. Zentral ist die Erkenntnis, dass Gleichheit an ihre Grenzen gerät, wenn es um das Besondere, Partikulare und individuelle Fälle geht. Der Artikel problematisiert die Dialektik zwischen Gleichheits- und Differenzansprüchen und warnt vor der Ideologieanfälligkeit unreflektierter Gleichheitskonzepte. Grümme fordert eine identitäts- und differenztheoretische Reflexion von Gleichheit, besonders im Kontext von Diversity, Gender und Inklusion. Die Religionspädagogik wird aufgefordert, diese Dialektiken selbstreflexiv zu durchdenken, um der Gefahr ideologischer Vereinnahmung zu entgehen.