Der Artikel untersucht Ideologiekritik als einen prominenten Leitbegriff der Religionspädagogik, dessen Präsenz in der Disziplin ambivalent ist. Während Ideologiekritik konzeptionell relevant bleibt und darauf abzielt, implizite Überzeugungen religiöser Praxis am Maßstab biblisch-christlicher Gerechtigkeit zu messen, zeigt sich in der aktuellen Publikationslandschaft ein Bedeutungsverlust. Der Autor rekonstruiert die Begriffsgeschichte von der neutralen Ideenlehre Destutts de Tracy über Napoleons negative Aufladung bis zur marxistischen Begriffsbestimmung, wonach Ideologie das fehlende wahre Bewusstsein der Menschen bezeichnet. Er unterscheidet zwei marxsche Facetten: Ideologie als aufzudeckender Vorurteilszusammenhang und als Determiniertheit des Denkens durch gesellschaftliche Bedingungen. Die Frankfurter Schule erweiterte Ideologiekritik um das emanzipatorische Erkenntnisinteresse und betonte die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft. Der Autor argumentiert, dass Ideologiekritik nicht nur relativierend-aufdeckend, sondern auch konstruktiv-zukunftsorientiert sein muss. Abschließend deutet er auf die Notwendigkeit einer erneuerten Ideologiekritik 2.0 hin, die empirische Empirie, Hermeneutik und emanzipatorisches Interesse verbindet und damit die kritisch-gesellschaftliche Dimension der Religionspädagogik bewahrt.