Der Artikel analysiert die Bedeutung der Jakobsgestalt für die Religionspädagogik in der Sekundarstufe. Jakob wird als zwiespältige Gründungsfigur Israels dargestellt, deren Geschichte das Auf und Ab von Vertrautheit mit Gott und menschlichem Versagen spiegelt. Die zentrale Schlüsselstelle bildet Gen 32,23-33, die Erzählung vom Kampf Jakobs am Jabbok, der als geographischer und theologischer Wendepunkt fungiert. Der Text zeichnet sich durch vielfältige literarische Brüche, Doppelungen und Leerstellen aus, die nicht bloß redaktionelle Artefakte darstellen, sondern den theologischen Gehalt widerspiegeln. Die Autorin argumentiert, dass diese Leerstellen in bibeldidaktischen Lernarrangements produktiv genutzt werden können, um Schüler zur Reflexion ihrer eigenen Identitätsfragen einzuladen. Besonders für Jugendliche werden die urmenschlichen Erfahrungen von Kampf, Übergang und Entscheidung relevant. Der Artikel zeigt, wie künstlerische Darstellungen und assoziative Verfahren genutzt werden können, um Leserwelt und Textwelt miteinander ins Gespräch zu bringen. Die zentrale theologische Ambivalenz liegt darin, dass Gott einerseits als Gott des Lebens und der Gerechtigkeit auftritt, andererseits aber auch den Betrug zu segnen scheint. Diese Spannung erreicht ihren Höhepunkt in Gen 32,23-33, wo die Frage danach, wer der Kämpfer ist und was Segen angesichts menschlichen Scheiterns bedeutet, offen bleibt. Die aktualiserende Verheutigung des Textes soll bewusst und reflektiert erfolgen, um zwischen produktiver Exegese und unreflektierter Eisegese zu unterscheiden.