Der Artikel von Christian Cebulj analysiert die bibeldidaktische Behandlung des Johannesevangeliums im Religionsunterricht und der Katechese. Lange Zeit galt das vierte Evangelium als zu schwierig und fremd für die unterrichtliche Vermittlung und wurde in Lehrplänen nur als Lückenbüßer neben den synoptischen Evangelien verwendet. Eine wichtige Wendung brachten Gerhard Büttner und Hanna Roose, die aufzeigten, dass das Johannesevangelium ungerecht behandelt wurde und dass es in Materialien oft nur zur Ergänzung fehlender synoptischer Parallelen herangezogen wurde. Dies führte zu einer problematischen Patchwork-Technik, die die unterschiedlichen christologischen Konzeptionen der vier Evangelien einebnet. Seit der ästhetischen Wende und durch rezeptionsästhetische, erzähltheoretische und bildästhetische Zugänge hat sich ein lebhaftes religionspädagogisches Interesse am Johannesevangelium entwickelt. Der Artikel argumentiert für eine Unterscheidung zwischen Jesulogie (Fokus auf ethischen Jesus der Synoptiker) und Christologie (Fokus auf Jesus als Geheimnis Gottes im Johannesevangelium). Schüler entwickeln durch die bisherige synoptische Dominanz meist nur eine Jesulogie, während eine christologische Perspektive in pluralen Lerngruppen ebenfalls wichtig ist. Das Johannesevangelium mit seiner christologischen Prägung könnte einen wichtigen Beitrag leisten, um den Religionsunterricht christologischer zu gestalten und die Vielstimmigkeit der Evangelien bewusst zu machen. Neuere Johanneskommentare verstehen Brüche und Widersprüche weniger als redaktionsgeschichtliche Spuren denn als bewusst gesetzte Stilmittel und ermöglichen damit innovative Unterrichtszugänge.