Der Artikel von Thomas Heller behandelt die Geschichte der Kirchen während des Nationalsozialismus (1933–1945) und ihre pädagogische Bedeutung für den Religionsunterricht. Das Thema wird in modernen Schulen durch das Gedenken an kirchliche Widerständler wie Dietrich Bonhoeffer oder Martin Niemöller vermittelt, die in Denkmälern und Schulnamen verewigt sind. Diese Erinnerungskultur dient der Bundesrepublik zur Selbstvergewisserung von Freiheits- und Menschenrechten. Allerdings spielt das historische Thema in der aktuellen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen eine untergeordnete Rolle; relevanter ist das Thema Rechtsextremismus als gegenwärtige Fortsetzung faschistischen Gedankenguts. Der Artikel rekonstruiert zunächst die historischen Rahmenbedingungen: Hitlers Machtergreifung 1933, die Errichtung einer totalitären, rassistisch und antisemitisch begründeten Diktatur sowie die systematische Verfolgung von Minderheiten und Juden. Die Kirchenpolitik des Nationalsozialismus wechselte zwischen Kooperationsangeboten (Regierungserklärung 1933, Reichskonkordat mit der Katholischen Kirche) und Gleichschaltungsversuchen (Förderung der Deutschen Christen, Bildung der Deutschen Evangelischen Kirche unter NS-Kontrolle). Ab 1935 verfolgte das Regime einen restriktiveren Kurs, der die Kirchen auf den kultischen Bereich beschränken sollte. In den annektierten und besetzten Gebieten ab 1938 wurde die Kirchenrestriktion noch drastischer, mit dem Ziel der institutionellen Liquidierung. Das Agieren der Kirchen war vielfältig und widersprüchlich: Der deutsche Katholizismus akzeptierte zunächst durch das Reichskonkordat einen Modus Vivendi; der Protestantismus war dagegen von tieferen internen Konflikten geprägt. Während die Deutschen Christen eine Synthese von Christentum und Nationalsozialismus anstrebten und anfängliche Erfolge hatten, bildete sich ab 1933 auch Widerstand, geprägt durch Theologen wie Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer, der zur Gründung der Bekennenden Kirche führte. Diese verstand sich zwar primär als theologischer Protest gegen die Deutschen Christen, entwickelte aber auch politische Implikationen. Der Artikel verdeutlicht somit die Ambivalenz des kirchlichen Handelns zwischen Kompromiss und Widerstand und zeigt, wie diese Geschichte in der heutigen Religionspädagogik zur Vermittlung von Werteorientierungen genutzt wird.