Die Kognitive Linguistik entwickelte sich seit den 1980er Jahren aus der Kognitionswissenschaft heraus und stellt einen paradigmatischen Bruch mit der Klassischen Theorie der Kategorisierung dar, die Bedeutung als objektive, vom Menschen unabhängige Abbildung der Wirklichkeit versteht. Der Artikel kontrastiert den metaphysischen Realismus klassischer Ansätze mit dem Embodied Realism der Kognitiven Linguistik, wonach Körper und Verstand des Menschen fundamental für die Kategorisierung und Bedeutungskonstruktion sind. Zentrale Vertreter wie George Lakoff, Mark Johnson, Eleanor Rosch und Gilles Fauconnier entwickelten theoretische Konzepte wie die Prototypentheorie, Konzeptuelle Metapher und Idealized Cognitive Models, die zeigen, dass Menschen Kategorien nicht nach notwendigen Bedingungen bilden, sondern um Prototypen arrangieren. Der Schlüssel liegt im Embodied Realism: Menschen konstruieren Bedeutung aktiv durch ihre einverleibten Erfahrungen und Interaktionen mit der Welt, nicht durch passive Abbildung. Die Kognitive Semantik bietet sich als Forschungsmethode für die Religionspädagogik an, um empirisch zu untersuchen, wie Lehrkräfte und Schüler religiöse Konzepte wie Gott, Sünde, Gerechtigkeit oder das Reich Gottes verstehen und konzeptualisieren. Die Bedeutung von Wörtern ist nicht inhärent, sondern abhängig vom enzyklopädischen Wissen des Sprechers und unterliegt ständigem Wandel durch neue Erfahrungen. Diese Perspektive ermöglicht tiefe Einblicke in religiöse Diskurse und theologische Konzeptbildung durch linguistische Analyse.