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WiReLex | Deutsche Bibel GesellschaftCarsten Gennerich

WiReLex | Deutsche Bibel Gesellschaft,

Carsten Gennerich

Milieu und Religion

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Artikel untersucht die Verbindung zwischen Milieuforschung und Religion im deutschsprachigen Raum. Ausgehend von Bernt Spiegels psychologischem Feldmodell aus den 1960er Jahren zeigt der Autor, wie Menschen in ihrer religiösen Orientierung durch Dimensionen wie Selbstbestimmung und Traditionalität charakterisiert werden können. Das Sinus-Institut hat diese theoretischen Grundlagen später in praktisch anwendbare Milieu-Segmentierungen umgewandelt, die in der kirchlichen Praxis weit verbreitet sind. Der Artikel verdeutlicht, wie religiöse Angebote gezielt auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten werden können.

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Der Artikel von Carsten Gennerich analysiert die Karriere des Milieubegriffs in kirchlichen Kontexten und seinen theoretischen Ursprüngen. Der Fokus liegt auf Bernt Spiegels innovativem psychologischem Marktmodell von 1961, das Personen in zweidimensionalen Felddiagrammen visualisiert und damit eine methodische Grundlage für später entwickelte Milieuansätze schuf. Spiegel entwickelt sein Modell durch mehrere konzeptionelle Schritte: Er ordnet Personen nach relevanten Feldpolaritäten an, positioniert Meinungsgegenstände (etwa religiöse Interpretationen) im Feld und führt das Konzept des Aufforderungswertes ein, das die Attraktivität von Angeboten unabhängig von inhaltlicher Nähe erfasst. Das Modell impliziert verschiedene Interventionsmöglichkeiten: Information, Verschiebung von Personen, Diversifikation von Angeboten und Erhöhung des Aufforderungswertes. Während Spiegels theoretisches Modell zu seiner Zeit kaum empirisch umsetzbar war, nutzte das Sinus-Institut ab den 1970er Jahren computergestützte multivariate Verfahren, um narrative Interviews systematisch auszuwerten und konkrete Milieus zu identifizieren. Das Sinus-Modell wurde durch seine intuitiven "Kartoffelgraphiken" in der kirchlichen Praxis populär, obwohl zwischen dem theoretischen Anspruch und der visuellen Darstellung ein gewisser Abstand besteht. Der Artikel verdeutlicht, wie aus akademischer Theorieentwicklung eine praktisch orientierte Marktforschungsmethode entstand, die heute im kirchlichen Raum maßgeblich für Zielgruppenorientierung ist.

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