Klaus König behandelt in seinem Artikel die Quellenbearbeitung als zentrale Methode der historischen Forschung im Bereich religiöse Bildung und Erziehung. Quellen werden als Zeichen einer früheren Lebenswirklichkeit definiert, aus denen durch methodisch regulierte Verfahren vergangene Zusammenhänge rekonstruiert werden können. Geschichte entsteht dabei aus dem Zusammenspiel zwischen gegenwärtigem Erkenntnisinteresse und dem Eigenwert der Quellen. Die Quellenarbeit folgt drei klassischen Prozessen aus dem Historismus: Heuristik, Kritik und Interpretation. Die Heuristik eröffnet die Quellenbearbeitung durch Offenlegung des Erkenntnisinteresses und systematisches Sammeln relevanter Quellen. König unterscheidet drei methodische Varianten: Die hermeneutische Heuristik zielt auf gegenwärtiges Verstehen von Befunden aus der Vergangenheit, die analytische Heuristik akzentuiert strukturelle Hintergründe und Determinanten, und die diskursanalytische Heuristik untersucht, wie durch Sprache und kommunikative Prozesse Wissen und Wirklichkeit hergestellt werden. Die Quellenkritik untersucht den Bezug der Quelle zur empirischen Wirklichkeit und trägt zu Plausibilität durch Überprüfung innerer Stimmigkeit bei. Hermeneutische Kritik kontextualisiert Quellen durch biografische und situative Hintergründe der Urheber, analytische Kritik hebt die Repräsentativität singulären Inhalts für höhere Allgemeinheitsstufen hervor, und diskursanalytische Kritik untersucht sprachliche Merkmale auf Makro- und Mikroebene im historischen Kontext. Der Artikel verdeutlicht, dass professionelle Quellenbearbeitung intersubjektiv überprüfbar sein muss und zentral für die Rekonstruktion der Geschichte religiöser Bildung bleibt.