Der Artikel definiert Religionskultur als Schnittstelle zwischen Religion und Kultur, wobei beide Phänomene zwar unterscheidbar, aber wechselseitig aufeinander bezogen sind. Religion wird als anthropologische Antwort auf die menschliche Notwendigkeit verstanden, Leben zu deuten, indem sie eine absolute, übergeordnete Perspektive einbringt. Kultur hingegen bezieht sich auf die Standardisierungen von Kommunikation, Denken, Fühlen und Handeln in menschlichen Kollektiven. Religionskultur kombiniert diese Dimensionen, indem sie Standardisierungen der Kultur durch Deutungen durchzieht, die das Leben aus einer transzendenten Perspektive wahrnehmen. Der Begriff hat religionspädagogisch eine heuristische Aufgabe, da er auffordert, Kultur als Ort von Religion zu entdecken und die Perspektive der Transzendenz nicht auf tradierte Religionen zu beschränken. Religionskultur äußert sich in vielfältigen Formen wie Literatur, Musik, Film, bildende Kunst und Alltagskultur, wobei die religionskulturelle Gestaltung religionsspezifisch, interreligiös oder säkular geprägt sein kann. Der Begriff erweitert den Raum des Religiösen über religiöse Gemeinschaften hinaus und fordert Religion auf, sich zu den vielfältigen kulturellen Orten des Religiösen in ein aufgeklärtes Verhältnis zu setzen. Dies modifiziert vereinfachte Säkularisierungsthesen und zeigt die komplexen, mäandrischen Pfade von Religion in der gegenwärtigen Gesellschaft.