Der Artikel dokumentiert den Trend des bilingualen Sachfachunterrichts in Deutschland seit den 1990er Jahren und untersucht dessen Anwendung auf das Fach Religion. Während bilingualer Unterricht generell einen Boom erlebt hat – getrieben durch Einsichten in die Grenzen isolierten Fremdsprachenunterrichts, europäische Integration und Globalisierung – nimmt Religion in diesem Trend eine marginale Rolle ein. Im internationalen Vergleich zeigt sich jedoch, dass verschiedene Länder wie Schweden, Norwegen und Spanien bereits bilingualen Religionsunterricht praktizieren. Der Artikel präsentiert ein Spektrum verschiedener Modelle: von der Integration englischsprachiger Texte und Materialien in den deutschen Unterricht über zeitlich begrenzte bilinguale Module bis zu vollständigen bilingualen Kursen und Seminarfächern in der Oberstufe. Besondere Bedeutung wird eTwinning-Projekten, internationalen Schulpartnerschaften und dem gemeinsamen Feiern religiöser Feste in englischer Sprache beigemessen, da diese interreligiösen und interkulturellen Austausch fördern. Das Netzwerk biliRU hat bis Sommer 2020 etwa 30 Schulen in Deutschland identifiziert, die bilingualen Religionsunterricht anbieten, wobei die genaue Erfassung methodisch schwierig bleibt. Der Artikel argumentiert überzeugend, dass Religion sich gut als Bilingual-Fach eignet und dabei von der Fremdsprachigkeit in seinen genuinen Zielen profitieren kann, insbesondere beim Aufbau von Dialogfähigkeiten und interkultureller Kompetenz.