Christian Gotthilf Salzmann wurde 1744 als Sohn eines Pfarrers geboren und erhielt eine fundierte theologische Ausbildung an der Universität Jena, wo er sich der Übergangstheologie zwischen lutherischer Orthodoxie und aufklärerischem Denken anschloss. Nach seinem theologischen Examen 1764 lehrte er kurzzeitig an der Erfurter theologischen Fakultät, bevor er 1768 eine Pfarrstelle in Rohrborn antrat. Die unmittelbare Konfrontation mit Armut, Unwissenheit und Elend in der Dorfgemeinde führte zu einer Neuorientierung seiner theologischen Überzeugungen und praktischen Prioritäten. Seit 1772 war Salzmann Pfarrer an der Andreaskirche in Erfurt und widmete sich intensiv der Seelsorge, der Schulaufsicht und populären Predigten, die ihn zu einem der beliebtesten Kanzelredner machten. Mit der Publikation seiner aufklärerischen Predigtensammlung 1779 verabschiedete er sich theologisch von der Übergangstheologie und wurde zum Neologen, der zeitgemäße und bibelfeste Frömmigkeit anstrebte. Diese Phase markierte den Übergang zu seinem pädagogischen Hauptwerk: 1779/80 wechselte Salzmann zum Basedowschen Philanthropin in Dessau, wo er seine Lebensaufgabe in der religiösen Pädagogik fand. Die Pfarrerjahre in Rohrborn und Erfurt waren damit das formative "Vorspiel" für sein späteres pädagogisches Wirken, das Aufklärung, praktische Lebenshilfe und reformierte Erziehung verbinden sollte.