Der Artikel von Reinhold Boschki analysiert das Subjekt als grundlegendes Orientierungsprinzip der zeitgenössischen Religionspädagogik. Subjektorientierung ist ein methodologischer und konzeptioneller Konsens, der sich auf alle Bereiche religiöser Bildung erstreckt – von der Kindererziehung bis zur Erwachsenenbildung. Philosophiegeschichtlich reicht die Entwicklung des modernen Subjektbegriffs von Descartes über Kant bis zu Fichte und Hegel, wurde aber bereits im 19. Jahrhundert durch Marx, Feuerbach und vor allem Nietzsche fundamental kritisiert. Bildungstheoretisch ist das Subjektdenken von Beginn an mit dem aufklärerischen Ideal der Mündigkeit verbunden, wobei das Subjekt heute nicht mehr naiv-idealistisch als autonomes Wesen verstanden wird, sondern in seiner Verletzlichkeit und Fragmentarität. Theologisch hat der Subjektbegriff eine spezifische Prägung, indem der Mensch als in Gottes Wirklichkeit gestelltes Wesen und als Hörer der Gottesnachricht verstanden wird – eine Linie, die von Augustinus über Karl Rahner bis zur gegenwärtigen praktischen Theologie reicht. Die französische Postmoderne des 20. Jahrhunderts (Foucault, Derrida, Lacan) stellt das aufklärerische Subjektdenken radikal in Frage und führt zur notwendigen Subjektkritik. Der Artikel argumentiert dafür, dass der Subjektbegriff trotz dieser Kritik in der Religionspädagogik als Leitbegriff bewahrt bleiben sollte, aber in seiner Dialogizität, Intersubjektivität und Beziehungsorientierung neu konturiert werden muss, um seine theoretische und praktische Relevanz zu sichern.