Translation Studies sind eine junge Wissenschaftsperspektive, die sich seit den 1970er Jahren mit der kulturellen Dimension von Übersetzungen auseinandersetzt und sich dabei deutlich von der klassischen Übersetzungswissenschaft unterscheidet. Der Ansatz wurde maßgeblich durch Homi Bhabha und die Postcolonial Studies geprägt und betont, dass Übersetzungen kulturelle Produkte sind, die Machtstrukturen und Ideologien transportieren. Im Kern geht es darum, Übersetzung nicht als bloße sprachliche Übertragung zu verstehen, sondern als kulturelle Aushandlungsprozesse, bei denen Bedeutungen, Praktiken und Weltbilder zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten vermittelt werden. Der kulturwissenschaftliche Forschungsansatz löste sich bewusst von der Definition der Übersetzung als rein sprachliches Phänomen und versteht sie stattdessen als Metapher für Transformationsprozesse. Translation Studies konzipieren Sprache nicht als geschlossenes System, sondern betonen die offene Dynamik sprachlicher Weltbilder und die bereits vorhandenen Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Sprachspielen. Renn systematisiert vier verschiedene Arten der Übersetzung für Sozial- und Kulturwissenschaften, von linguistischen bis zu soziologischen Übersetzungen. Der transdisziplinäre Charakter der Translation Studies ermöglicht Anwendungen in verschiedenen Disziplinen wie Ethnologie, Soziologie, Geschichtswissenschaft und Pädagogik. Für die Religionspädagogik bieten Translation Studies neue Anknüpfungspunkte, die über bloße Horizonterweiterung hinausgehen und ermöglichen, religionspädagogische Prozesse als kulturelle Aushandlungsvorgänge zu verstehen.