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Renovabis

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Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen (Material)

Veröffentlichung:1.1.2017

Diese PDF enthält die Materialien der Unterrichtseinheit "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen". Auf 30 Seiten werden die Lebenswege und Perspektiven von Migranten aus Osteuropa dargestellt.

Der Aufbau zu dieser Einheit befindet sich in einer weiteren PDF, die in dem drop-down Menu "eingebettete Medien“ auf dieser Seite zu finden sind.

Das Medium „Bleiben oder Gehen? Menschen im Osten Europas brauchen Perspektiven!“ ist eine umfangreiche Materialsammlung für den Schulunterricht und für Gruppenstunden, die sich mit Migration aus Mittel, Ost und Südosteuropa beschäftigt. Im Zentrum steht die Frage, warum Menschen ihre Heimat verlassen, welche Hoffnungen sie mit Migration verbinden, welche Folgen das Fortgehen für sie selbst, ihre Familien und ihre Herkunftsländer hat und welche Bedingungen Menschen benötigen, um bleiben oder zurückkehren zu können. Das Material versteht Migration als eine grundlegende menschliche Erfahrung und lenkt den Blick insbesondere auf Formen der sogenannten stillen Migration, die in der öffentlichen Wahrnehmung weniger Aufmerksamkeit erhalten. Dabei werden Ursachen und Folgen von Migration, Identität und Zugehörigkeit, Stereotype und Vorurteile sowie das Zusammenleben in einer von Migration geprägten Gesellschaft thematisiert. Ein Glossar unterscheidet zentrale Begriffe und erläutert unterschiedliche Motive für Migration. Dabei werden auch sogenannte Push Faktoren und Pull Faktoren eingeführt und mit wirtschaftlichen, sozialen, politischen und persönlichen Ursachen verbunden. Karten und grafische Darstellungen ermöglichen eine geografische und statistische Auseinandersetzung mit Wanderungsbewegungen in Europa. Einen besonders anschaulichen Zugang bieten konkrete Lebensgeschichten von Menschen aus Litauen und Rumänien. Sie erzählen von Arbeit im Ausland, Trennung von Familien, Rückkehr, beruflichen Perspektiven und der Entscheidung, trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten in der Heimat zu bleiben. Das Medium verbindet diese gesellschaftliche Perspektive ausdrücklich mit dem Religionsunterricht. Migration wird als Thema der Bibel erschlossen. Abraham und Sara, Joseph, Mose, Maria und Joseph mit Jesus sowie Paulus werden als Menschen vorgestellt, deren Geschichten von Aufbruch, Fremdsein, Flucht, Wanderschaft und Neubeginn geprägt sind. Leitend ist dabei auch die Aussage Jesu: „Ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen.“ Ergänzend nimmt das Material die Tätigkeit der Kirche in Osteuropa in den Blick und fragt nach Hoffnung, Barmherzigkeit und konkreter Unterstützung. Insgesamt verbindet das Medium politisches und soziales Lernen mit ethischen und biblischen Fragestellungen und macht deutlich, dass Migration nicht abstrakt betrachtet werden kann, sondern immer mit individuellen Lebensgeschichten, Entscheidungen, Hoffnungen und Belastungen verbunden ist.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe und kann in Unterrichtseinheiten zu Migration, Flucht, Fremdsein, Heimat, Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Verantwortung und Kirche eingesetzt werden. Seine besondere religionspädagogische Stärke besteht in der Verbindung von sachlicher Information, konkreten Biografien und biblischer Deutung. Migration wird dabei nicht ausschließlich als Problem behandelt. Vielmehr macht der fachliche Impulstext darauf aufmerksam, dass Migration weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht ist und unterschiedliche Folgen haben kann. Zugleich wird Migration als wiederkehrender Bestandteil menschlicher Geschichte und Existenz verstanden. Diese differenzierte Perspektive ist für den Unterricht besonders wichtig, da sie einer vorschnellen Einteilung in einfache Kategorien entgegenwirkt.

Als Einstieg eignet sich die zentrale Frage des Mediums „Bleiben oder gehen?“. Die Lernenden können zunächst unabhängig von Migration Situationen sammeln, in denen Menschen vor der Entscheidung stehen, einen vertrauten Ort zu verlassen. Danach können Gründe für das Bleiben und Gründe für das Gehen gegenübergestellt werden. Begriffe wie Familie, Heimat, Arbeit, Sicherheit, Bildung, Liebe, Zukunft, Armut, Krieg, Verfolgung und Freiheit können gesammelt und geordnet werden. Auf diese Weise wird deutlich, dass Entscheidungen über Migration häufig von mehreren Faktoren gleichzeitig bestimmt werden. Das Material unterstützt diese Differenzierung ausdrücklich und unterscheidet unter anderem Krieg, wirtschaftliche Not, politische und religiöse Verfolgung, soziale Gründe und individuelle Gründe.

Für eine sachliche Vertiefung können die Lernenden mit dem Glossar arbeiten. Begriffe wie Migration, Flucht, Asyl und stille Migration sollten zunächst voneinander unterschieden werden. Besonders sinnvoll ist eine arbeitsteilige Erarbeitung, bei der Gruppen einzelne Begriffe erklären und dazu Beispiele entwickeln. Anschließend können die Ergebnisse zu einem gemeinsamen Begriffsnetz zusammengestellt werden. Dies fördert die sprachliche Genauigkeit und verhindert, dass unterschiedliche Formen von Migration und Flucht undifferenziert miteinander gleichgesetzt werden.

Die Einführung der Push Faktoren und Pull Faktoren bietet sich für eine strukturierende Erarbeitung von Migrationsursachen an. Die Lernenden können Gründe auf Karten notieren und anschließend zuordnen. Dabei sollte verdeutlicht werden, dass individuelle Entscheidungen selten durch nur einen einzigen Faktor erklärt werden können. Das Material betont selbst, dass Migrationsentscheidungen in der Regel verschiedene Antriebe besitzen und beispielsweise mit Arbeitsmöglichkeiten, Bildungschancen, Berufswahl oder Familiengründung verbunden sein können. Anschließend können die Lernenden überprüfen, welche Faktoren in den unterschiedlichen Lebensgeschichten vorkommen.

Für die geografische Orientierung sollte die Osteuropakarte des Materials einbezogen werden. Die Lernenden lokalisieren die Herkunftsländer der vorgestellten Personen und mögliche Zielländer ihrer Migration. Die grafische Darstellung zur Auswanderung und Einwanderung kann anschließend zur Arbeit mit statistischen Informationen genutzt werden. Dabei sollte deutlich gemacht werden, dass die dargestellten Zahlen aus dem Entstehungszeitraum des Mediums stammen und deshalb nicht als aktuelle Migrationsstatistik verwendet werden sollten. Für das Verständnis des Mediums sind sie dennoch geeignet, da sie die Größenordnung und räumliche Dimension europäischer Wanderungsbewegungen veranschaulichen.

Besonders wertvoll sind die persönlichen Lebensgeschichten. Sie können arbeitsteilig erschlossen werden. Jede Gruppe erhält eine Person oder Familie und untersucht Herkunft, Lebenssituation, Gründe für Migration oder Bleiben, Hoffnungen, Belastungen und Zukunftswünsche. Anschließend stellen die Gruppen ihre Ergebnisse vor. Das dafür vorgesehene Arbeitsmaterial „Lebensschicksale von Stillen Migranten“ bietet bereits Kategorien wie Herkunftsland, Lebenssituation, Push Faktoren, Pull Faktoren und Form der Migration an.

Die Biografien ermöglichen eine intensive ethische Auseinandersetzung. So erzählt das Material beispielsweise von Menschen, die im Ausland mehr verdienen können, dafür aber über längere Zeit von ihren Familien getrennt leben. Andere kehren trotz eines niedrigeren Einkommens zurück, weil ihnen das Zusammenleben mit ihren Kindern wichtiger ist. Die Lernenden können deshalb fragen: Was bedeutet ein gutes Leben? Ist ein höheres Einkommen wichtiger als Nähe zur Familie? Was macht Heimat aus? Wann kann die Entscheidung zum Fortgehen richtig sein? Was müsste sich verändern, damit Menschen eine wirkliche Wahl zwischen Bleiben und Gehen besitzen? Wichtig ist, keine allgemeingültigen Antworten vorzugeben. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten zeigen gerade, dass Menschen Werte unterschiedlich gewichten.

Methodisch eignet sich hierfür eine Positionierungsübung. Im Raum werden die Positionen „Bleiben“ und „Gehen“ festgelegt. Die Lehrkraft liest eine Lebenssituation vor und die Lernenden positionieren sich zunächst entsprechend ihrer Einschätzung. Anschließend begründen sie ihre Entscheidung. Nach zusätzlichen Informationen dürfen sie ihre Position verändern. Dadurch erfahren sie unmittelbar, dass Urteile von verfügbaren Informationen abhängen und komplexe Lebensentscheidungen selten von außen eindeutig bewertet werden können.

Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit fiktiven Entscheidungstagebüchern. Lernende übernehmen auf Grundlage einer der vorgestellten Biografien die Perspektive einer Person und formulieren Gedanken vor einer wichtigen Entscheidung. Dabei muss klar zwischen den tatsächlichen Angaben des Mediums und der eigenen kreativen Ergänzung unterschieden werden. Fragen können lauten: Was würde ich vermissen? Was erhoffe ich mir? Wovor habe ich Angst? Für wen trage ich Verantwortung? Was müsste geschehen, damit ich bleiben kann? Diese Methode unterstützt Perspektivübernahme und Empathie, ohne vorschnell zu behaupten, die tatsächlichen Gefühle einer anderen Person vollständig nachvollziehen zu können.

Für den Religionsunterricht ist die anschließende Arbeit mit biblischen Migrationserfahrungen von besonderer Bedeutung. Das Material stellt ausdrücklich heraus, dass auch das Volk Gottes von Aufbruch, Wanderung und Neuanfang geprägt ist. Die Lernenden können in Gruppen unterschiedliche biblische Geschichten untersuchen und fragen: Wer verlässt seine Heimat? Geschieht dies freiwillig oder unfreiwillig? Welche Gründe gibt es? Welche Gefahren treten auf? Welche Hoffnung begleitet die Menschen? Welche Rolle spielt Gott? Das Arbeitsblatt „Migration in der Bibel“ sieht hierfür die Kategorien Bibelstelle, Form der Migration, Push Faktoren, Pull Faktoren und Antwort der Bibel vor.

Besonders ergiebig ist ein Vergleich zwischen Abraham und Sara, Mose sowie Maria und Joseph mit Jesus. Dadurch wird sichtbar, dass biblische Migration unterschiedliche Formen besitzt. Aufbruch kann mit Verheißung und Hoffnung verbunden sein, aber ebenso mit Bedrohung, Flucht und Unsicherheit. Die Lernenden können anschließend diskutieren, ob die Bibel als ein Buch gelesen werden kann, in dem Fremdsein, Heimatverlust und Neubeginn zentrale menschliche Erfahrungen darstellen.

Die Aussage Jesu aus Matthäus 25 „Ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen“ kann zum theologischen Mittelpunkt einer Unterrichtssequenz werden. Die Lernenden erläutern zunächst, was „fremd sein“ für einen Menschen bedeuten kann. Anschließend übertragen sie die Aussage auf heutige Begegnungen. Dabei kann gefragt werden, welche Verantwortung Christinnen und Christen gegenüber Menschen haben, die neu in eine Gesellschaft kommen. Das Material selbst verbindet die biblische Tradition mit dem Auftrag, Menschen Unterstützung anzubieten.

Eine weitere religionspädagogische Vertiefung eröffnet das Thema Barmherzigkeit. Das Material fragt anhand von Lukas 6,36, wo und wie Kirche in Osteuropa barmherzig handelt und welche Hoffnung sie Menschen geben kann. Dadurch können Lernende zwischen religiösen Überzeugungen und konkretem Handeln vermitteln. Kirche wird nicht ausschließlich als Institution betrachtet, sondern danach beurteilt, wie sie in den Lebenswirklichkeiten von Menschen präsent ist und Perspektiven eröffnet.

Auch Vorurteile und Stereotype sollten ausdrücklich thematisiert werden. Das Medium fragt danach, wie Menschen in Deutschland auf Menschen aus dem östlichen Teil Europas blicken, und verweist darauf, dass diese Migration gesellschaftlich häufig wenig sichtbar ist. Die Lernenden können Aussagen über bestimmte Herkunftsgruppen sammeln, ohne sie einzelnen Personen der Lerngruppe zuzuschreiben, und anschließend untersuchen, wie Verallgemeinerungen entstehen. Die persönlichen Lebensgeschichten des Mediums können solchen Pauschalisierungen konkrete Menschen mit individuellen Entscheidungen, Fähigkeiten, Hoffnungen und Beziehungen gegenüberstellen.

Bei der Behandlung des Themas ist eine sensible Unterrichtsgestaltung erforderlich. In einer Lerngruppe können Lernende eigene Erfahrungen mit Migration, Flucht, Trennung oder Fremdsein besitzen. Niemand sollte aufgefordert werden, persönliche oder familiäre Erfahrungen öffentlich zu erzählen. Persönliche Beiträge müssen freiwillig bleiben. Die Materialien sollten dazu dienen, Perspektiven zu öffnen und nicht einzelne Lernende aufgrund ihrer Herkunft zu vermeintlichen Expertinnen oder Experten für bestimmte Länder oder Migrationserfahrungen zu machen.

Zum Abschluss einer Unterrichtseinheit können die Lernenden die Ausgangsfrage „Bleiben oder gehen?“ erneut beantworten. Nun sollte jedoch nicht eine eindeutige Entscheidung verlangt werden. Vielmehr können sie formulieren, welche Bedingungen Menschen benötigen, damit sie tatsächlich eine freie Entscheidung treffen können. Begriffe wie Frieden, Sicherheit, Arbeit, gerechtes Einkommen, Bildung, Familie, gesellschaftliche Teilhabe, Religionsfreiheit, Menschenrechte und Zukunftsperspektiven können dabei zusammengetragen werden. Auf diese Weise verändert sich die Ausgangsfrage: Entscheidend ist nicht nur, warum Menschen gehen, sondern auch, was Gesellschaft, Politik, Kirche und einzelne Menschen dazu beitragen können, dass Menschen Perspektiven erhalten.

Medien, die Teil des aufgelisteten Materials sind und in weiteren Kontexten Verwendung finden können.

Renovabis

3.12.2020

Umfang: Unterrichtseinheit

Schulbereich: Sekundarstufe I

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3.12.2020

Umfang: Unterrichtseinheit

Schulbereich: Sekundarstufe I

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