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Religionsunterricht digital?

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel wurde von Stefanie Pfister und Matthias Roser unter dem Titel „Religionsunterricht digital?“ verfasst. Er umfasst vier Seiten, Seite 4 bis 7. Der Beitrag beschäftigt sich mit den Herausforderungen des Religionsunterrichts im digitalen Raum, die durch die Corona Pandemie besonders sichtbar wurden. Im Zentrum steht die Frage, wie Religionsunterricht trotz räumlicher Distanz persönliche Beziehungen, religiöse Erfahrungen und eine lebendige Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten ermöglichen kann.

Als theologisches und religionspädagogisches Problem behandeln die Verfassenden vor allem die Frage, wie eine Hermeneutik des christlichen Glaubens im digitalen Raum gelingen und das Evangelium in digitalen Lehrformen authentisch vermittelt werden kann. Damit verbunden sind Fragen nach der Bedeutung persönlicher Beziehungen, nach der Präsenz der Lehrkraft, nach religiöser Resonanz sowie danach, wie Lernende auch digital einen persönlichen Zugang zu biblischen Texten, Glaubensfragen und Gottesvorstellungen entwickeln können.

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Stefanie Pfister und Matthias Roser beschäftigen sich mit den Veränderungen des Religionsunterrichts durch die Digitalisierung. Die Corona Pandemie machte diese Entwicklung besonders dringlich, da Schulen sehr kurzfristig auf digitalen Unterricht umstellen mussten. Für den Religionsunterricht ergaben sich dabei besondere Schwierigkeiten. Neben der grundsätzlichen Frage nach seiner Bedeutung innerhalb der Schule musste geklärt werden, wie seine spezifischen Ziele und Arbeitsweisen in den digitalen Raum übertragen werden können. Die Verfassenden konzentrieren sich deshalb auf die religionsdidaktischen Herausforderungen und stellen auf Grundlage eigener Unterrichtserfahrungen praktische Möglichkeiten für digitalen Religionsunterricht vor.

Zunächst beschreiben sie mehrere Schwierigkeiten. Nicht alle Lernenden verfügen über einen eigenen Computer oder ein geeignetes Smartphone. Teilweise fehlen auch grundlegende Kenntnisse im Umgang mit digitalen Anwendungen. Gleichzeitig waren viele Lehrkräfte zu Beginn der Pandemie nicht ausreichend auf digitale Unterrichtsformen vorbereitet. Es fehlte an Erfahrungen, geeigneten Materialien sowie an einer speziell für den digitalen Religionsunterricht entwickelten Didaktik und Methodik. Hinzu kam, dass einige Lernende während des Distanzunterrichts nur schwer erreichbar waren. Besonders in sozial belasteten Familien standen andere Probleme im Vordergrund, sodass schulischer Unterricht und insbesondere Religionsunterricht teilweise an Bedeutung verloren.

Eine besondere Herausforderung besteht nach Pfister und Roser im Verlust der unmittelbaren persönlichen Beziehung zwischen Lehrkraft und Lernenden. Gerade im Religionsunterricht sind Vertrauen, persönlicher Austausch und die Beziehung zur Lehrkraft von großer Bedeutung. Im digitalen Unterricht stellt sich deshalb die grundlegende Frage, wie christlicher Glaube digital erschlossen werden kann und wie die Kommunikation des Evangeliums auch online authentisch, lebendig und motivierend gelingen kann.

Als Antwort darauf rücken die Verfassenden die Begriffe Präsenz und Resonanz in den Mittelpunkt. Sie greifen dabei auf Hartmut Rosas Verständnis von Resonanz zurück. Resonanz bezeichnet eine Beziehung zur Welt, bei der Mensch und Welt sich gegenseitig berühren und verändern. Für den Religionsunterricht bedeutet dies, dass sich Lernende nicht nur sachlich mit einem biblischen Text oder einem religiösen Thema beschäftigen. Der Inhalt soll sie persönlich erreichen und möglicherweise ihre Sichtweise verändern. Die Lehrkraft besitzt dabei eine wichtige Funktion. Sie soll nicht lediglich Wissen vermitteln, sondern selbst als Person präsent und ansprechbar sein. Wenn Lehrkräfte authentisch über ihren Glauben, ihre Zweifel und ihre Sorgen sprechen, können sie einen Raum schaffen, in dem auch Lernende persönliche Fragen und religiöse Erfahrungen zum Ausdruck bringen können.

Zur praktischen Umsetzung stellen Pfister und Roser zunächst das Texttheater in einer Videokonferenz vor. Die Lernenden lesen gemeinsam einen biblischen Text und wählen anschließend in kleinen digitalen Gruppen einen Satz aus, der sie besonders anspricht. Diesen Satz gestalten sie kreativ, beispielsweise durch Sprechen, Singen, Tanzen oder unterschiedliche Formen körperlichen Ausdrucks. Anschließend werden die Ergebnisse in der Videokonferenz präsentiert. Auf diese Weise soll der biblische Text nicht nur analysiert, sondern persönlich und kreativ erfahren werden.

Eine zweite Methode ist die Textverdichtung. Ausgangspunkt ist ein Bild zu einer biblischen Szene. Die Lernenden betrachten das Bild und schreiben ihre Gedanken zu einer dargestellten Person auf. In kleinen digitalen Gruppen werden die Texte vorgestellt. Die anderen Lernenden wählen diejenigen Sätze aus, die sie besonders ansprechen. Aus diesen ausgewählten Sätzen entsteht anschließend ein neuer dichterischer Text. Die Methode verbindet persönliche Wahrnehmung, kreatives Schreiben und gegenseitige Wertschätzung.

Als dritte Möglichkeit werden Materialcollagen zu Gottesvorstellungen vorgestellt. Die Lernenden sammeln Gegenstände und Materialien aus ihrem Alltag und gestalten damit ihre persönliche Vorstellung von Gott. Ausgangspunkt kann beispielsweise der Satz „Gott ist heute für mich wie...“ sein. Für muslimische Lernende kann entsprechend nach der persönlichen Vorstellung von Allah gefragt werden. Konfessionslose Lernende können darstellen, was ihnen Energie gibt. Anschließend werden die Ergebnisse in kleinen Gruppen besprochen. Weil persönliche Gottesvorstellungen sehr privat sein können, findet der unmittelbare Austausch bewusst im geschützteren Rahmen der Kleingruppe statt. Die Abbildungen auf Seite 6 und 7 zeigen konkrete Ergebnisse solcher Gestaltungsaufgaben und verdeutlichen, wie unterschiedlich persönliche Gottesvorstellungen und Quellen von Kraft bildlich ausgedrückt werden können.

In ihrer Auswertung kommen Pfister und Roser zu dem Ergebnis, dass auch digitaler Religionsunterricht Beziehungsräume schaffen kann. In digitalen Kleingruppen können Beziehungen zwischen den Lernenden entstehen, während die Lehrkraft durch ihre Teilnahme ebenfalls Teil dieses Beziehungsraums werden kann. Auch zwischen Lernenden und biblischen Texten kann eine Beziehung entstehen. Digitale Lehre bleibt zwar räumlich distanziert, muss deshalb aber nicht beziehungslos sein. Entscheidend sind nach Auffassung der Verfassenden die Präsenz, Offenheit und Authentizität der Lehrkraft. Unter diesen Voraussetzungen kann auch digitaler Religionsunterricht Resonanz ermöglichen und Lernende dazu anregen, sich persönlich mit Religion, Glauben und ihrer eigenen Lebenswelt auseinanderzusetzen.

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