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Samuel Jajalian

Samuel Jajalian

Die Philosophie des Epikur: Hedonismus

Veröffentlichung:19.5.2023

Das Medium stellt zentrale Gedanken der Philosophie Epikurs vor und konzentriert sich insbesondere auf seinen Hedonismus und die Frage nach einem glücklichen Leben. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Lust das Ziel menschlichen Handelns bildet. Dabei wird deutlich gemacht, dass Epikur keineswegs die möglichst schnelle oder intensive Befriedigung möglichst vieler Begierden fordert. Vielmehr unterscheidet das Medium zwischen kinetischer Lust, die bei der Befriedigung einer Begierde erfahren wird, und der sogenannten katastematischen Lust als Freiheit von körperlichem und seelischem Leid. Als entscheidendes Lebensziel erscheint die Ataraxia, die als Seelenruhe, Gelassenheit und Unerschütterlichkeit des Geistes beschrieben wird. Um diesen Zustand zu erreichen, müssen nach der Darstellung des Mediums insbesondere Furcht, Begierde und Schmerz bewältigt werden. Ausführlich wird Epikurs Argument gegen die Furcht vor dem Tod dargestellt. Weil alles Gute und Schlechte Wahrnehmung voraussetzt und der Tod das Ende der Wahrnehmung bedeutet, soll der Tod für den Menschen kein Übel darstellen. Weiterhin wird erläutert, weshalb unnötige Begierden reduziert und notwendige Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden sollen. Auch der Umgang mit körperlichem Schmerz wird thematisiert. Das Medium schließt mit dem Tetrapharmakos, dem sogenannten Vierfachmittel Epikurs: Die Götter sollen nicht gefürchtet werden, der Tod soll keine Sorge bereiten, Glück soll leicht erreichbar und Leid ertragbar sein.



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Für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu den Themen Glück, Sinn des Lebens, Tod, Umgang mit Leid, menschliche Bedürfnisse und Vorstellungen eines guten Lebens. Als Einstieg bietet sich die Frage „Was brauche ich für ein glückliches Leben?“ an. Die Lernenden können zunächst individuell fünf Dinge notieren, die für sie zu einem glücklichen Leben gehören. Anschließend werden die Ergebnisse gesammelt und Kategorien wie Besitz, Beziehungen, Gesundheit, Erfolg, Genuss, Sicherheit, Freiheit und innere Zufriedenheit zugeordnet. Auf diese Weise können eigene Vorstellungen von Glück sichtbar gemacht werden, bevor Epikurs Position eingeführt wird. Besonders interessant ist anschließend die Frage, ob mehr Besitz, mehr Genuss und mehr Möglichkeiten tatsächlich automatisch zu größerem Glück führen.

Bei der Betrachtung des Mediums sollte zunächst das verbreitete Missverständnis des Hedonismus aufgegriffen werden. Lernende verbinden Lust möglicherweise zunächst mit möglichst viel Genuss, Konsum oder Vergnügen. Epikurs Verständnis kann dieser Vorstellung gegenübergestellt werden. Für Epikur besteht das entscheidende Ziel gerade nicht darin, möglichst vielen kurzfristigen Lustempfindungen nachzujagen. Die höchste Form des Glücks wird vielmehr mit Unlustfreiheit und Seelenruhe verbunden. Methodisch eignet sich hierzu eine Gegenüberstellung von kurzfristigem Genuss und langfristiger Zufriedenheit. Die Lernenden können Alltagssituationen den beiden Kategorien zuordnen und anschließend diskutieren, ob kurzfristige Lust langfristig sogar Unlust erzeugen kann. Beispiele können übermäßiger Konsum, ständiges Streben nach Anerkennung oder das Verlangen nach immer neuen materiellen Dingen sein.

Eine besondere didaktische Bedeutung besitzt Epikurs Begriff der Ataraxia. Die Lernenden können zunächst in eigenen Worten beschreiben, was sie unter innerer Ruhe und Gelassenheit verstehen. Anschließend vergleichen sie ihre Vorstellungen mit der im Medium dargestellten Ataraxia. Dabei sollte herausgearbeitet werden, dass Epikur Glück nicht primär als eine Folge äußerer Güter versteht. Vielmehr kommt der vernünftigen Gestaltung der eigenen Bedürfnisse eine entscheidende Bedeutung zu. Diese Vorstellung bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Lernenden. So kann beispielsweise diskutiert werden, welche Rolle Konsum, soziale Medien, Anerkennung, Leistungsdruck und materielle Wünsche für das persönliche Wohlbefinden spielen. Die Lernenden können untersuchen, ob die Reduzierung bestimmter Wünsche tatsächlich zu größerer Zufriedenheit führen kann.

Methodisch besonders geeignet ist eine strukturierte Untersuchung von Epikurs drei Quellen der Unlust: Furcht, Begierde und Schmerz. Die Klasse kann in Gruppen aufgeteilt werden. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Epikurs Umgang mit Furcht, eine zweite mit Begierden und eine dritte mit Schmerz. Jede Gruppe arbeitet heraus, wodurch die jeweilige Form der Unlust entsteht, welche Lösung Epikur anbietet und wie überzeugend diese Lösung aus heutiger Sicht erscheint. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Auf diese Weise wird das philosophische Modell übersichtlich erschlossen und gleichzeitig die Urteilskompetenz gefördert. Das Medium bezeichnet Furcht, Begierde und Schmerz ausdrücklich als entscheidende Bereiche, die für das Erreichen der Ataraxia kontrolliert werden müssen.

Für den Religionsunterricht ist besonders Epikurs Auseinandersetzung mit dem Tod ergiebig. Die Lernenden können zunächst mögliche Ursachen menschlicher Todesangst sammeln. Anschließend werden diese mit den im Medium genannten Motiven verglichen. Dort werden die Angst vor Schmerzen beim Sterben, die Furcht vor einem möglichen Schrecken nach dem Tod, die Angst vor dem Nichts sowie die Sorge, durch den Tod zukünftige Glücksmöglichkeiten zu verlieren, genannt. Epikur versucht diese Ängste durch die Überlegung zu überwinden, dass der Tod für den Menschen nicht erfahrbar ist. Solange der Mensch lebt, ist der Tod nicht gegenwärtig, und wenn der Tod eingetreten ist, besitzt der Mensch keine Wahrnehmung mehr.

Diese Überlegungen ermöglichen einen besonders geeigneten Übergang zu religiösen Vorstellungen von Tod und Leben. Die Lernenden können Epikurs Position mit christlichen Vorstellungen von Tod, Hoffnung, Auferstehung und ewigem Leben vergleichen. Dabei sollte nicht lediglich nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden gefragt werden. Interessanter ist die Frage, auf welche Weise beide Ansätze versuchen, Menschen einen Umgang mit der Endlichkeit des Lebens zu ermöglichen. Epikur versucht die Todesangst durch philosophische Vernunft und die Bedeutungslosigkeit des Todes für die eigene Wahrnehmung zu reduzieren. Christliche Vorstellungen können demgegenüber Hoffnung über die Grenze des Todes hinaus thematisieren. Damit stehen unterschiedliche Begründungswege für einen möglichen gelassenen Umgang mit der eigenen Sterblichkeit zur Diskussion.

Auch Epikurs Umgang mit Begierden bietet vielfältige religionspädagogische Möglichkeiten. Nach der Darstellung des Mediums können viele Begierden selbst zur Ursache von Leid werden, weil unerfüllte Wünsche als Mangel erlebt werden. Deshalb sollen Begierden reduziert und notwendige Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Lernenden können diese Vorstellung mit gegenwärtigen Konsumgewohnheiten vergleichen. Denkbar ist eine Aufgabe, bei der verschiedene Wünsche gesammelt und danach geordnet werden, ob sie notwendig, verzichtbar oder dauerhaft kaum erfüllbar erscheinen. Anschließend kann diskutiert werden, ob Verzicht tatsächlich eine Einschränkung oder unter bestimmten Bedingungen sogar einen Gewinn an Freiheit darstellen kann. Hier ergeben sich auch Bezüge zu religiösen Vorstellungen von Fasten, Maßhalten und einem bewussten Umgang mit materiellen Gütern.

Das Thema Schmerz sollte im Unterricht sensibel behandelt werden. Das Medium beschreibt verschiedene Möglichkeiten, mit Schmerz umzugehen. Schmerz kann nach Epikur teilweise als notwendiges Mittel für ein langfristiges Ziel verstanden oder durch positive Erfahrungen ausgeglichen werden. Zugleich wird eingeräumt, dass nicht jeder Schmerz auf diese Weise bewältigt werden kann. Im Unterricht sollte deutlich werden, dass philosophische Überlegungen über Leid nicht dazu führen dürfen, konkrete Erfahrungen von Schmerz und Leid zu verharmlosen. Stattdessen kann gefragt werden, in welchem Umfang Menschen ihre Einstellung zu einer schwierigen Situation verändern können und wo die Grenzen einer solchen Umdeutung liegen.

Für eine abschließende Urteilsphase bietet sich Epikurs Tetrapharmakos an. Die vier Aussagen können auf einzelne Karten geschrieben und von den Lernenden erläutert, auf gegenwärtige Lebenssituationen übertragen und kritisch geprüft werden. Anschließend können sie ein eigenes Vierfachmittel für ein gelingendes Leben entwickeln und dieses mit Epikurs Vorstellungen vergleichen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Formulierung eines fiktiven Briefes, in dem Epikur einem heutigen Jugendlichen Ratschläge für ein glückliches Leben gibt. Auf diese Weise werden philosophische Inhalte gesichert und zugleich auf die Lebenswelt übertragen. Abschließend sollte die Leitfrage „Was braucht der Mensch für ein glückliches Leben?“ erneut aufgegriffen werden. Die Lernenden können ihre ursprünglichen Antworten mit Epikurs Vorstellungen vergleichen und begründet darlegen, welche Gedanken sie überzeugend finden und an welchen Stellen sie widersprechen. Dadurch werden Sachkompetenz, Deutungskompetenz, Dialogkompetenz und ethische Urteilskompetenz miteinander verbunden.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1, Operator Beschreiben: Beschreiben Sie das zentrale Ziel eines glücklichen Lebens nach Epikur.

Musterantwort: Das zentrale Ziel eines glücklichen Lebens besteht nach Epikur in einem Zustand der Unlustfreiheit und Seelenruhe. Dieser Zustand wird als Ataraxia bezeichnet. Ein glücklicher Mensch soll deshalb nicht möglichst vielen kurzfristigen Lustempfindungen nachjagen, sondern körperliches und seelisches Leid möglichst vermeiden und einen Zustand innerer Gelassenheit erreichen.


Aufgabe 2, Operator Erläutern: Erläutern Sie den Unterschied zwischen kinetischer Lust und katastematischer Lust in der Darstellung des Mediums.

Musterantwort: Kinetische Lust entsteht bei der Befriedigung einer Begierde. Beispiele dafür sind leckeres Essen, Schwimmen oder Feiern. Die katastematische Lust bezeichnet dagegen einen Zustand der Freiheit von körperlichem und seelischem Leid. Sie wird mit Ataraxia, also Seelenruhe und Gelassenheit, verbunden. Das Medium weist später allerdings darauf hin, dass diese Unterscheidung aus didaktischen Gründen vereinfacht ist. Es handelt sich nicht um zwei grundsätzlich verschiedene Qualitäten von Lust. Vielmehr steht die kinetische Lust für konkrete Lustempfindungen, während die katastematische Lust als Freiheit von Unlust beschrieben wird.


Aufgabe 3, Operator Erklären: Erklären Sie, weshalb Epikur nicht empfiehlt, möglichst vielen Begierden nachzugehen.

Musterantwort: Viele Begierden können nach Epikur selbst eine Ursache von Unlust werden. Wenn ein Mensch etwas begehrt, das er nicht erreichen kann, erlebt er einen Mangel und damit Unlust. Je mehr Bedürfnisse ein Mensch entwickelt, desto schwieriger kann es werden, diese vollständig zu befriedigen. Epikur empfiehlt deshalb, Begierden zu reduzieren und sich vor allem auf notwendige Bedürfnisse wie Nahrung und Obdach zu konzentrieren. Diese können vergleichsweise leicht erfüllt werden. Dadurch wird der Zustand der Ataraxia leichter erreichbar.


Aufgabe 4, Operator Darstellen: Stellen Sie Epikurs Argumentation gegen die Furcht vor dem Tod dar.

Musterantwort: Epikur geht davon aus, dass alles Gute und Schlechte auf Wahrnehmung beruht. Der Tod bedeutet jedoch das Ende der Wahrnehmung. Deshalb kann der Tod selbst vom Menschen nicht als gut oder schlecht erfahren werden. Solange ein Mensch lebt, ist der Tod noch nicht eingetreten. Wenn der Tod eingetreten ist, existiert der Mensch nicht mehr als wahrnehmendes Wesen. Daraus folgert Epikur, dass der Tod für den Menschen kein erfahrbares Übel ist und deshalb nicht gefürchtet werden muss.


Aufgabe 5, Operator Analysieren: Analysieren Sie den Zusammenhang zwischen Begierde, Unlust und Glück in Epikurs Philosophie.

Musterantwort: Begierden richten sich auf etwas, das ein Mensch noch nicht besitzt oder erlebt. Dadurch entsteht ein Gefühl des Mangels. Kann eine Begierde nicht befriedigt werden, führt sie zu Unlust. Da Epikur Glück mit Unlustfreiheit und Seelenruhe verbindet, können zahlreiche oder schwer erfüllbare Begierden das Glück beeinträchtigen. Deshalb empfiehlt er, unnötige Begierden zu reduzieren und sich auf notwendige Bedürfnisse zu konzentrieren. Glück entsteht damit nicht durch eine möglichst große Menge an Besitz oder Genuss, sondern durch die Begrenzung von Bedürfnissen und die daraus entstehende innere Ruhe.


Aufgabe 6, Operator Anwenden: Ein Jugendlicher sagt: „Wenn ich immer das neueste Smartphone, teure Kleidung und möglichst viele Follower habe, werde ich dauerhaft glücklich sein.“ Wenden Sie Epikurs Verständnis von Glück auf diese Aussage an.

Musterantwort: Epikur würde diese Vorstellung vermutlich kritisch betrachten. Das Streben nach immer neuen materiellen Gütern und Anerkennung erzeugt ständig neue Begierden. Werden diese Wünsche nicht erfüllt, entsteht ein Gefühl des Mangels und damit Unlust. Selbst wenn einzelne Wünsche erfüllt werden, können anschließend neue entstehen. Aus der Perspektive Epikurs wäre es deshalb sinnvoller, die eigenen Bedürfnisse zu prüfen und unnötige Begierden zu reduzieren. Dauerhafte Zufriedenheit entsteht für Epikur nicht durch eine ständige Steigerung des Konsums, sondern durch Genügsamkeit und Seelenruhe.


Aufgabe 7, Operator Vergleichen: Vergleichen Sie Epikurs Umgang mit dem Tod mit einer christlichen Vorstellung von Tod und Auferstehung.

Musterantwort: Epikur versucht die Angst vor dem Tod durch philosophische Überlegungen zu überwinden. Weil der Tod das Ende der Wahrnehmung bedeutet, kann er für den Menschen selbst kein erfahrbares Übel darstellen. Eine christliche Vorstellung von Tod und Auferstehung setzt dagegen nicht notwendig bei der Bedeutungslosigkeit des Todes für die Wahrnehmung an, sondern kann Hoffnung auf eine Gemeinschaft mit Gott über den Tod hinaus ausdrücken. Gemeinsam ist beiden Perspektiven, dass sie Möglichkeiten eröffnen können, mit der menschlichen Endlichkeit und Todesangst umzugehen. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Begründung. Epikur argumentiert über Wahrnehmung und Vernunft, während die christliche Auferstehungshoffnung religiös begründet wird.


Aufgabe 8, Operator Erörtern: Erörtern Sie die Aussage: „Weniger zu wollen macht glücklicher.“

Musterantwort: Für diese Aussage spricht Epikurs Überlegung, dass zahlreiche Begierden auch zahlreiche Möglichkeiten der Enttäuschung erzeugen. Wer ständig neue materielle Güter, Anerkennung oder besondere Erfahrungen benötigt, kann Unzufriedenheit erleben, sobald diese Wünsche nicht erfüllt werden. Die Reduzierung von Bedürfnissen kann deshalb zu größerer Unabhängigkeit und Zufriedenheit beitragen. Gegen die Aussage spricht, dass Wünsche auch motivieren und dem Leben Ziele geben können. Der Wunsch nach Freundschaft, Bildung oder persönlicher Entwicklung muss nicht zwangsläufig Leid verursachen. Entscheidend könnte daher sein, welche Wünsche ein Mensch besitzt und welche Bedeutung er ihrer Erfüllung beimisst. Epikurs Position regt insbesondere dazu an, zwischen notwendigen und unnötigen Begierden zu unterscheiden.


Aufgabe 9, Operator Beurteilen: Beurteilen Sie Epikurs Vorstellung, dass die Furcht vor dem Tod durch vernünftiges Nachdenken überwunden werden kann.

Musterantwort: Epikurs Argumentation kann überzeugen, weil sie darauf hinweist, dass ein Mensch den Zustand des eigenen Todes nicht als leidvoll erfahren kann, wenn mit dem Tod die Wahrnehmung endet. Dadurch kann die Vorstellung vom Tod möglicherweise weniger bedrohlich erscheinen. Gleichzeitig kann Todesangst weitere Ursachen besitzen. Menschen können beispielsweise Angst vor dem Sterben haben oder darüber traurig sein, geliebte Menschen zurückzulassen und zukünftige Erfahrungen zu verlieren. Vernünftige Argumente können deshalb helfen, müssen emotionale Ängste aber nicht vollständig beseitigen. Epikurs Ansatz bietet somit eine philosophische Möglichkeit des Umgangs mit dem Tod, deren Wirkung für einzelne Menschen unterschiedlich sein kann.


Aufgabe 10, Operator Erörtern: Erörtern Sie, ob Epikurs Vorstellung von Glück für das Leben heutiger Jugendlicher hilfreich sein kann.

Musterantwort: Epikurs Vorstellung kann für heutige Jugendliche hilfreich sein, weil sie eine Alternative zu der Vorstellung bietet, Glück müsse ständig durch neue Erlebnisse, Besitz oder gesellschaftliche Anerkennung gesteigert werden. Besonders angesichts von Konsum, sozialen Medien und dem Vergleich mit anderen kann die Konzentration auf notwendige Bedürfnisse und innere Zufriedenheit entlastend wirken. Gleichzeitig leben Jugendliche in sozialen Zusammenhängen und besitzen Ziele und Wünsche, die für ihre persönliche Entwicklung wichtig sein können. Epikurs Philosophie muss deshalb nicht als Forderung verstanden werden, sämtliche Wünsche aufzugeben. Sie kann vielmehr dazu anregen, eigene Bedürfnisse kritisch daraufhin zu prüfen, ob ihre Erfüllung tatsächlich langfristig zufrieden macht.


Aufgabe 11, Operator Stellung nehmen: Nehmen Sie begründet zu der Aussage Stellung: „Ein glückliches Leben besteht nicht darin, immer mehr zu bekommen, sondern immer weniger zu brauchen.“

Musterantwort: Die Aussage entspricht in wesentlichen Punkten Epikurs Verständnis eines glücklichen Lebens. Wer immer mehr benötigt, um zufrieden zu sein, macht sein Glück von zahlreichen äußeren Bedingungen abhängig. Werden Wünsche nicht erfüllt, entsteht Unzufriedenheit. Wer dagegen seine Bedürfnisse begrenzen kann, wird unabhängiger von äußeren Gütern. Dennoch sollte daraus nicht folgen, dass alle Wünsche grundsätzlich problematisch sind. Beziehungen, persönliche Ziele und sinnvolle Tätigkeiten können wesentlich zu einem erfüllten Leben beitragen. Überzeugend erscheint deshalb vor allem die Aufforderung, zwischen Bedürfnissen zu unterscheiden und zu prüfen, welche Wünsche tatsächlich zu einem gelingenden Leben beitragen.


Aufgabe 12, Operator Beurteilen: Beurteilen Sie, inwiefern Epikurs Tetrapharmakos als Orientierung für ein gelingendes Leben dienen kann.

Musterantwort: Das Tetrapharmakos fasst zentrale Gedanken Epikurs verständlich zusammen. Die Aufforderungen, die Götter nicht zu fürchten, sich keine Sorgen um den Tod zu machen, Glück als erreichbar anzusehen und Leid als bewältigbar zu betrachten, können dazu beitragen, Ängste und übermäßige Begierden kritisch zu überprüfen. Als Orientierung kann das Vierfachmittel deshalb zu Gelassenheit und bewusster Lebensführung anregen. Seine Grenzen zeigen sich besonders beim Umgang mit schwerem und dauerhaftem Leid. Nicht jedes Leid lässt sich durch vernünftige Überlegungen oder positive Erfahrungen ausgleichen. Das Medium weist selbst darauf hin, dass Epikurs Überlegungen zu sehr starken Schmerzen auch vor dem Hintergrund der medizinischen Möglichkeiten seiner Zeit betrachtet werden müssen. Das Tetrapharmakos kann daher als philosophischer Impuls verstanden werden, ohne für jede menschliche Lebenssituation eine vollständige Lösung bereitzustellen.

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