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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Die Tiere – von Gott gesegnet und vom Menschen beherrscht?

Veröffentlichung:1.1.1970

Der Fachartikel beziehungsweise Praxisteil von Bettina Wellmann wurde unter dem Titel: „Die Tiere, von Gott gesegnet und vom Menschen beherrscht? Bausteine zu Genesis 9,1 bis 11“ verfasst und umfasst 4 Seiten. Im Mittelpunkt steht das biblische Verhältnis zwischen Gott, Mensch und Tier. Der Text zeigt, dass die Erde nach biblischem Schöpfungsverständnis als gemeinsames Lebenshaus verstanden werden soll, in dem Menschen und Tiere ihren Platz haben. Der Herrschaftsauftrag des Menschen bedeutet deshalb nicht Ausbeutung, sondern Verantwortung, Schutz und Bewahrung.

Der Fachartikel behandelt theologische Probleme wie die Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung, die Gottebenbildlichkeit, den menschlichen Herrschaftsauftrag, die Tötung von Tieren, den Schutz des Lebens, Gewalt zwischen Mensch und Tier sowie die Verantwortung für die Schöpfung. Eine zentrale Frage lautet, wie die Erlaubnis zum Töten und Essen von Tieren nach der Flut mit dem Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung vereinbart werden kann. Außerdem wird der Bund Gottes mit allen Lebewesen thematisiert. Tiere erscheinen dadurch nicht nur als Mittel für menschliche Zwecke, sondern als Mitgeschöpfe und als eigene Bundespartner Gottes.

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Der Praxisteil beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Menschen und Tieren in der Bibel und konzentriert sich besonders auf Genesis 9,1 bis 11. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Aussagen der ersten Kapitel der Bibel über die Schöpfung von grundlegender Bedeutung, aber zugleich schwierig auszulegen sind. Besonders der Herrschaftsauftrag aus Genesis 1 wurde nach dem Text teilweise problematisch übersetzt und konnte dadurch weitreichende negative Folgen haben. Einzelne Bibelverse dürfen deshalb nicht aus ihrem Zusammenhang gelöst werden. Die Bibel entwirft insgesamt das Bild der Erde als Lebenshaus für alle Lebewesen.

Als Einstieg werden verschiedene Bibelstellen zum Verhältnis zwischen Gott, Mensch, Tier und Erde zusammengestellt. Sie zeigen unterschiedliche Aspekte dieses Beziehungsgefüges. Gott rettet Menschen und Tiere. Gerechte Menschen kennen die Bedürfnisse ihrer Tiere. Die Tiere können den Menschen etwas lehren. Der Mensch soll den Garten bebauen und bewahren. Die gesamte Tierwelt gehört Gott und wird von ihm versorgt. Selbst einem arbeitenden Ochsen soll Nahrung nicht vorenthalten werden. Die Lernenden können aus diesen Aussagen herausarbeiten, wie die Beziehungen zwischen Gott, Mensch und Tier biblisch verstanden werden und wie sie heute gestaltet sind.

Auf Seite 1 veranschaulichen zwei Beziehungsdreiecke dieses Anliegen. Gott, Mensch und Tier bilden die drei Bezugspunkte. Das erste Dreieck fragt nach der biblischen Sicht, das zweite nach der heutigen Situation. Die Lernenden sollen die Beziehungen zwischen den drei Seiten beschreiben und miteinander vergleichen. Dadurch wird deutlich, dass die Tierethik im Artikel nicht unabhängig von der Gottesbeziehung betrachtet wird. Das Verhalten des Menschen gegenüber Tieren gehört zu seinem Verhältnis zur gesamten Schöpfung.

Der zentrale Bibeltext ist Genesis 9,1 bis 11. Nach der Flut segnet Gott Noach und seine Söhne und fordert sie auf, fruchtbar zu sein und die Erde zu bevölkern. Zugleich verändert sich das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren. Furcht und Schrecken bestimmen nun diese Beziehung. Die Tiere werden in die Hand des Menschen gegeben und dürfen dem Menschen als Nahrung dienen. Gleichzeitig setzt Gott Grenzen. Das Blut als Träger des Lebens darf nicht gegessen werden. Auch menschliches Leben steht unter einem besonderen Schutz, weil der Mensch als Bild Gottes geschaffen wurde. Schließlich schließt Gott seinen Bund nicht nur mit Noach und seinen Nachkommen, sondern ausdrücklich mit allen Lebewesen.

Der Kommentar stellt Genesis 9 in einen Zusammenhang mit Genesis 1. Gott wiederholt gegenüber Noach und seinen Söhnen den ursprünglichen Schöpfungssegen. Der Mensch soll die Erde als Lebensraum bevölkern und schützen. Besonders kritisch bewertet der Text Übersetzungen, nach denen sich der Mensch die Erde unterwerfen soll. Diese Formulierungen können den Eindruck vermitteln, die Erde stehe dem Menschen zur beliebigen Ausbeutung zur Verfügung. Nach der hier vertretenen Auslegung soll der Mensch die Erde vielmehr als einen ihm anvertrauten Lebensraum in Besitz nehmen und schützen.

Damit wird auch die Gottebenbildlichkeit des Menschen neu bestimmt. Der Mensch ist Repräsentant Gottes innerhalb der Schöpfung. Seine besondere Stellung gibt ihm nicht das Recht zu uneingeschränkter Herrschaft. Sie begründet vielmehr eine besondere Verantwortung. Der Mensch soll die Welt mit einer königlichen Autorität ordnen und schützen. Seine Macht ist damit an den Auftrag Gottes gebunden.

Genesis 1 beschreibt zunächst eine friedliche Ordnung. Menschen und Tiere erhalten pflanzliche Nahrung. Die Erde soll nach dieser Idealvorstellung kein Ort werden, an dem Tiere zur Nahrungsgewinnung getötet werden. Der Artikel bezeichnet diese Vorstellung als Utopie. Genesis 9 verändert diese ursprüngliche Ordnung angesichts der Erfahrung von Gewalt.

Die Fluterzählung hat gezeigt, dass die Welt von Gewalt erfüllt ist. Gott berücksichtigt diese Wirklichkeit nach der Flut. Zwischen Mensch und Tier besteht nun Furcht und auch zwischen Menschen existiert tödliche Gewalt. Deshalb wird dem Menschen die Möglichkeit eingeräumt, Tiere als Nahrung zu töten. Der Artikel versteht dies jedoch nicht als unbegrenzte Erlaubnis zur Gewalt. Der Mensch soll seine Verantwortung für die Schöpfung auch unter den Bedingungen einer nicht vollkommenen Welt wahrnehmen.

Die Erlaubnis zur Tötung von Tieren wird deshalb unmittelbar begrenzt. Blut gilt als Sitz des Lebens und darf nicht verzehrt werden. Vor allem darf die Erlaubnis zur Tiertötung nicht als Erlaubnis zur Ausrottung von Tierarten verstanden werden. Eine solche Ausrottung würde sowohl dem Schöpfungsauftrag als auch dem Bund Gottes mit den Lebewesen widersprechen. Der Mensch darf Tiere nutzen, besitzt aber keine grenzenlose Verfügungsmacht über ihr Leben.

Noch stärker wird der Schutz des menschlichen Lebens hervorgehoben. Gott fordert Rechenschaft für die Tötung eines Menschen. Begründet wird der besondere Schutz mit der Gottebenbildlichkeit. Der Mensch ist Bild Gottes und sein Leben darf deshalb nicht willkürlich vernichtet werden. Das Ziel besteht darin, die Erde trotz der vorhandenen Gewalt als Lebenshaus zu bewahren.

Von besonderer theologischer Bedeutung ist schließlich der Bund Gottes. Gott stellt nicht nur den Menschen, sondern alle Lebewesen unter den Schutz seines Bundes. Dieser Bund wird als unerschütterlich beschrieben. Alle Lebewesen leben aus der Gnade dieses Bundes. Damit wird die Beziehung Gottes zu seiner Schöpfung ausdrücklich über den Menschen hinaus erweitert. Tiere sind ebenfalls von Gottes Bund umfasst.

Diese Vorstellung wird durch einen weiteren Text über Tiere als Mitgeschöpfe vertieft. Nach christlichem Schöpfungsverständnis sind Tiere Mitgeschöpfe des Menschen. Ihr Leben und ihr Wohlergehen verdienen Schutz. Die Welt mit ihren Pflanzen und Tieren ist mehr als ein Rohstofflager für menschliche Interessen. Sie ist Schöpfung Gottes und Ort seiner Gegenwart. Christliche Schöpfungsverantwortung zeigt sich deshalb darin, dass Menschen ihren Mitmenschen und Mitgeschöpfen mit Achtung und Liebe begegnen. Dies wird ausdrücklich auch auf den landwirtschaftlichen Umgang mit Tieren bezogen.

Auf Seite 3 wird diese Verantwortung in einem Gebet aufgenommen. Die Tiere werden dort als Geschöpfe Gottes und sogar als Brüder und Schwestern bezeichnet. Das Gebet bittet um Ehrfurcht vor allem Lebendigen und um ein Leben, das nicht von Ausbeutung bestimmt wird. Gleichzeitig wird menschliche Schuld gegenüber Tieren angesprochen. Menschen sollen Tiere nicht ausschließlich ihren eigenen Bedürfnissen anpassen.

Der Text stellt außerdem eine Verbindung zwischen dem Umgang mit Tieren und dem menschlichen Lebensstil her. Eine naturwidrige Haltung und Fütterung von Tieren sowie die maximale Ausbeutung von Böden und Tieren werden kritisiert. Als Ursache wird unter anderem ein Lebensstil genannt, der immer neue Bedürfnisse erzeugt und einen Konsumwettlauf fördert. Als Gegenmodell wird Genügsamkeit vorgeschlagen. Ein verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung setzt demnach voraus, dass Menschen ihre eigenen Ansprüche begrenzen.

Auf Seite 4 wird das zentrale Bild der Schöpfung als Lebenshaus weiterentwickelt. Genesis 1 beschreibt die Welt als geordneten Lebensraum, den Gott aus Chaos und Finsternis hervorbringt. Auch die Arche Noachs kann als ein solches Lebenshaus verstanden werden. Menschen und Tiere besitzen darin ihren eigenen geschützten Platz. Noach und seine Frau übernehmen stellvertretend für die Menschheit Verantwortung für dieses Haus des Lebens, das von Chaos und Tod bedroht wird.

Die Abbildung auf Seite 4 verdeutlicht diese Vorstellung. Die Arche erscheint als mehrstöckiges gemeinsames Haus, in dem Menschen und unterschiedliche Tiere geschützte Räume besitzen. Unterhalb der Arche wird dagegen die zerstörerische Gewalt der Flut dargestellt. Dadurch entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen einem Raum des Lebens und einem Raum des Todes. Die Lernenden können anhand dieses Bildes überlegen, wie ein heutiges Lebenshaus aussehen müsste, wer darin einen Platz erhalten sollte und an welchen Stellen Veränderungen notwendig wären.

Die abschließende Aussage bringt die ethische Grundidee des Praxisteils auf den Punkt. Im Lebenshaus Gottes soll kein Lebewesen auf Kosten anderer Lebewesen existieren. Die Erde soll nicht durch Gewalt zu einem Haus des Todes werden. Sie soll vielmehr ein Lebensraum sein, in dem Menschen und Tiere unter dem Schutz Gottes miteinander leben können.

Für den Religionsunterricht bietet der Artikel damit eine Grundlage, um mit Lernenden über Tierethik, Schöpfungsverantwortung und menschliche Herrschaft zu sprechen. Lernende können erkennen, dass die besondere Stellung des Menschen in der Bibel nicht nur Rechte, sondern vor allem Verantwortung begründet. Zugleich können sie die Spannung diskutieren, dass Genesis 9 die Tötung von Tieren erlaubt, Tiere aber gleichzeitig als Geschöpfe und Bundespartner Gottes schützt. Der Text fordert damit zu einem Umgang mit der Schöpfung auf, der von Achtung, Schutz, Verantwortung und einer Begrenzung menschlicher Interessen geprägt ist.

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