Die Frage, wie angehende Religionslehrkräfte auf einen schulischen Alltag vorbereitet werden können, der von weltanschaulicher und religiöser Pluralität geprägt ist, steht im Zentrum dieses Aufsatzes. Der Beitrag untersucht empirisch, inwiefern die Methode des Scriptural Reasoning (SR) – ein schriftbasiertes Verfahren des interreligiösen Dialogs – geeignet ist, um Lehramtsstudierende der Katholischen Theologie für diese Herausforderung auszubilden. Während interreligiöses Lernen im schulischen Religionsunterricht zunehmend an Bedeutung gewinnt, fehlt es bislang an entsprechender Reflexion darüber, wie diese Lernformen sinnvoll in die universitäre Lehrerausbildung integriert werden können. Der Autor arbeitet heraus, dass praktischer interreligiöser Dialog – verstanden als „Learning in the presence of the other" – mehrere Zieldimensionen religiöser Bildung gleichzeitig berührt: die kognitive Dimension (Wissenserwerb), die soziale Dimension (Perspektivenwechsel und Toleranzentwicklung) und die persönliche Dimension (Perspektivenerweiterung und Identitätsbildung). Ein besonderer Fokus liegt auf der Erweiterung vom interreligiösen zum interweltanschaulichen Dialog, da die Schülerschaft nicht nur religiös heterogen, sondern auch durch unterschiedliche Glaubensprägungen und Nicht-Glauben charakterisiert ist. Die SR-Studie trägt empirisch dazu bei zu klären, welche Potenziale und Grenzen ein derartiges dialogisches Lernsetting für die Lehrerausbildung bietet.