Der vorliegende Text ist eine wissenschaftliche Responsio, die sich kritisch mit dem Vortrag von Clemens Albrecht auseinandersetzt und dabei grundlegende Perspektiven zum Verhältnis von Religionspädagogik und Soziologie eröffnet. Der Autor würdigt zunächst die selbstkritische und selbstreflexive Tendenz in Albrights soziologischen Arbeiten, die er mit dem cultural turn der Soziologie verbindet – jener theoretischen Wende, die seit Peter L. Berger und Thomas Luckmann die gesellschaftliche Konstruiertheit von Wirklichkeit in den Fokus rückt. Dabei wird argumentiert, dass dieser cultural turn für die Theologie produktiv gewesen ist, da er die vermeintliche Überlegenheit soziologischer Erkenntnis gegenüber theologischen Aussagen in Frage stellt: Auch soziologische Großerzählungen von Aufklärung, Säkularisierung oder Modernisierung werden als Glaubensgeschichten der Moderne sichtbar.
Doch der Text provoziert zugleich eine kritische Gegenfrage: Brauchen wir nicht gegenwärtig eine „Dekulturalisierung" beider Disziplinen, eine verstärkte Wahrnehmung dessen, was der Fall ist, angesichts konkreter Krisen – Kinderarmut, Klimakatastrophe, Flucht, Pandemie? Hier deutet sich an, dass kulturelle Deutungen allein nicht ausreichen, wenn es um strukturelle und politische Veränderungen geht, die Religionspädagogik ermöglichen muss. Der Autor identifiziert eine zweite wichtige Parallele zwischen Theologie und Soziologie: das Konzept der Öffentlichkeit. Während die Theologie seit den 1990er Jahren verstärkt „Öffentliche Theologie" bzw. Public Theology entwickelt, entstanden in der Soziologie analoge Konzepte einer Public Sociology, die sich – etwa bei Michael Buroway – als engagierte Wissenschaft versteht, die sich in gesellschaftliche Probleme einmischt. Abschließend werden Albrights Analysen der Bobos – einer globalen Bildungselite – als moderner Sündenspiegel interpretiert, der zur kritischen Selbstreflexion anregt und zugleich die Paradoxien aufzeigt, in denen Religionspädagog*innen selbst verstrickt sind: Sie sind Profiteure der Globalisierung und sollen gleichzeitig Schüler*innen zu kritischem Denken befähigen.