Der Artikel untersucht Entscheidung als Strukturmoment des religionspädagogischen Diskurses. Ausgehend von der These, dass sich dieses Konzept durch die gesamte deutsche Religionspädagogik zieht, wird zunächst religionsgeschichtlich und religionssoziologisch nachgezeichnet, wie Entscheidung zum konstitutiven Merkmal des Christentums und besonders des Protestantismus wurde. Der römisch-katholische Religionshistoriker Helmut Zander zeigt dabei überzeugend, dass die Regelung von Zugehörigkeit durch exklusive Entscheidung das Christentum von anderen religiösen Traditionen unterscheidet – im Gegensatz etwa zum Judentum oder hinduistischen Religionen, wo Zugehörigkeit primär durch Geburt oder parallele Mitgliedschaften bestimmt wird. Diese Entscheidungsforderung prägt seit jeher christliche Erziehungs- und Bildungsbemühungen, die als „kognitive Versicherungen" einer notorisch unsicheren religiösen Identität fungieren. Der Autor demonstriert dann anhand einer detaillierten Analyse des Grundlagentextes zur Elementarisierung von Karl Ernst Nipkow, wie dieses Strukturmoment der Entscheidung in religionsdidaktische Theoriemodelle Eingang findet – etwa in der Analyse der biblischen Erzählung vom Gottesurteil auf dem Karmel. Das zentrale Anliegen des Artikels liegt jedoch in einer dekonstruktiven Gegenbewegung: durch die Rehabilitierung des in biblischen Texten ebenfalls präsenten Gegenmotivs der Nicht-Entscheidung und Mehrdeutigkeit wird plädiert für eine stärkere Berücksichtigung der produktiven Spannung zwischen eindeutiger Entscheidung und uneindeutigem Dazwischen in der religionsdidaktischen Theoriebildung und Unterrichtspraxis.