Der Beutelsbacher Konsens (BK) – ein seit 1976 wirkendes Orientierungssystem der Politikdidaktik – gerät zunehmend auch in den Blick der Religionspädagogik. Der vorliegende Beitrag untersucht systematisch, wie religiöse Bildung von den drei Grundprinzipien des BK (Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot, Schülerorientierung) profitieren kann. Dabei zeigt sich ein paradoxes Phänomen: Während gesellschaftswissenschaftliche Fächer mit dem BK vertraut sind, fehlt Religionslehrkräften häufig dieses Orientierungswissen – obwohl gerade sie mit Fragen demokratischer Normativität, religiösem Fundamentalismus und Populismus konfrontiert sind. Der Autor rekonstruiert zunächst die bisherige religionspädagogische Rezeption des BK und identifiziert dabei erhebliche Schwierigkeiten: Der Konsens wird oft verkürzt aufgenommen, sein Status als didaktisches (nicht rechtliches) Prinzip wird missverständlich dargestellt, und kritischerweise wird der dritte Grundsatz – die Schülerorientierung – vielfach ganz übergangen. Dies führt zu einer problematischen Bedeutungsverschiebung des gesamten Systems. Ein zusätzlicher Impuls kommt aus der Philosophiedidaktik, wo mit dem Dresdener Konsens (2016) ein analoges Prinzipiensystem entstand. Aufgrund der bildungstheoretischen Nähe beider Fächer – beide erschließen „konstitutive Rationalität" – verspricht ein Dialog zwischen Religionspädagogik und Philosophiedidaktik wertvolle Erkenntnisse für ein spezifisch religionspädagogisches Rezeptionsprofil des BK. Der Artikel arbeitet damit Impulse heraus, die nichtgesellschaftswissenschaftliche Fächer bei der Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen unterstützen können.