Die Religionspädagogik steht vor einer Aufgabe, die ihre theologische Selbstklärung verlangt: Wie kann sie sinnvoll auf die wachsende apokalyptische Deutung von Krisen reagieren, die gegenwärtig Gesellschaft, Klimabewegung und Alltagsbewusstsein durchzieht? Der Artikel formuliert einen theologischen Standpunkt zur christlichen Apokalyptik, der ihre Besonderheit deutlich macht: Anders als säkulare Apokalyptik, die das Ende der Welt als innerweltliche Katastrophe mit immanentem Neuanfang denkt, richtet sich christliche Hoffnung nicht auf die gegenwärtige Situation, sondern auf die Zukunft Gottes – eine Zukunft, die radikal von der erlebten Gegenwart unterschieden ist. Zentral ist dabei nicht primär der Blick in die Zukunft, sondern eine eschatologisch gefärbte Deutung der Gegenwart, in der die Herrschaft Gottes über die Geschichte erkannt wird. Die Arbeit setzt diese spezifisch christliche Perspektive in Dialog mit soziologischen Analysen gegenwärtiger Apokalyptik und zeigt, wie Kirche und Theologie mit einem klaren normativen Standpunkt wichtige Gesprächspartner in Diskursen über Krisendeutung und Hoffnung sein könnten. Dies erfordert allerdings eine fundierte theologische Klarheit über das Verhältnis zwischen gegenwärtigem Handeln und zukünftiger Erlösung – und damit unmittelbare Konsequenzen für christliche Praxis angesichts von Krisen.