Wie können Lehramtsstudierende auf ihre zukünftige Rolle als „Change Agents" in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung vorbereitet werden? Der vorliegende Artikel geht dieser Frage nach, indem er Partizipation als zentrale Gelingensbedingung für eine emanzipatorische BNE (BNE 2) in der universitären Lehrer*innenbildung identifiziert. Allerdings offenbaren sich dabei erhebliche Herausforderungen: Partizipation erfordert eine Verschiebung von Machtverhältnissen und eine Infragestellung klassischer Verständnisse von Schule und Unterricht – Aspekte, die in den impliziten Wissensbeständen von Studierenden oft unzureichend reflektiert sind.
Der Beitrag untersucht diese Problematik anhand des Lehr- und Forschungsprojekts BNERoom an der TU Dortmund, das fachübergreifend mit Religionspädagogik, Bildungswissenschaften und Sozialpädagogik konzipiert wurde. Im Zentrum steht die Entwicklung und Erprobung eines digitalen Serious Games, das Lehramtsstudierende mit herausfordernden Situationen zum SDG 10 („Weniger Ungleichheiten") konfrontiert. Durch diese virtuellen Lernräume sollen Studierende neue Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Partizipation erfahren und damit ihre Selbstwirksamkeit erleben – sowohl als Lernende im Studium als auch als zukünftige Lehrkräfte. Mittels der dokumentarischen Methode werden die impliziten Wissensbestände der Studierenden rekonstruiert, um Orientierungen sichtbar zu machen, die eine vermeintliche Unvereinbarkeit von Unterricht und Partizipation zugrunde legen. Die Ergebnisse offenbaren gezielt Desiderate für die Integration von emanzipatorischer BNE in die Lehrer*innenbildung und zeigen auf, wie durch sinnstiftende und partizipative Lernmomente eine reflektierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen gelingen kann.