Das Medium eignet sich besonders für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht in der Grundschule sowie in den Klassen 5 und 6. Es kann in Unterrichtsreihen zu Schöpfung, Verantwortung, Hoffnung, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Reich Gottes, Klimakrise und nachhaltiger Entwicklung eingesetzt werden. Der Beitrag bietet keine vollständig ausgearbeitete Unterrichtsreihe, sondern theoretische Grundlagen, drei didaktische Zugänge und einen unmittelbar verwendbaren Beobachtungsbogen. Für die Arbeit mit den beiden vorgestellten Geschichten müssen die Bilderbücher zusätzlich bereitgestellt werden.
Als Einstieg können die Lernenden ihre Vorstellungen von einer guten Zukunft sammeln. Sie malen, schreiben oder erzählen, wie eine lebenswerte Schule, ein gerechter Ort oder eine geschützte Natur aussehen könnte. Anschließend überlegen sie, was Menschen selbst verändern können und wobei sie Unterstützung benötigen. Dadurch werden Hoffnung und Verantwortung von Beginn an miteinander verbunden.
Der Begriff Nachhaltigkeit sollte altersgerecht geklärt werden. Die Lernenden können zunächst Beispiele aus ihrem Alltag sammeln. Dazu gehören ein sparsamer Umgang mit Wasser und Energie, die Pflege von Pflanzen, die Vermeidung von Abfall, gerechtes Teilen und die Unterstützung anderer Menschen. Danach werden die ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimension unterschieden. Nachhaltigkeit betrifft damit nicht nur Natur und Klima, sondern auch Gerechtigkeit, Teilhabe und einen verantwortlichen Umgang mit begrenzten Gütern.
Das im Beitrag betonte Prinzip der Selbstwirksamkeit ist didaktisch besonders bedeutsam. Lernende sollen erfahren, dass ihr Handeln wahrgenommen wird und konkrete Veränderungen bewirken kann. Die Lehrkraft sollte deshalb Aufgaben wählen, deren Ziele erreichbar und deren Ergebnisse sichtbar sind. Ein kleines gepflegtes Beet, ein neuer Ruheplatz, eine veränderte Abfallregel oder ein gemeinsam gestaltetes Hinweisschild können pädagogisch wertvoller sein als ein zu großes Vorhaben, das nicht abgeschlossen werden kann
Beim ersten Bilderbuch „Das Städtchen Drumherum“ möchte ein Bürgermeister den Wald in der Stadt beseitigen, um neue Gebäude zu errichten. Seine Kinder widersprechen und zeigen, dass der Wald ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist. Die Geschichte kann an der Stelle unterbrochen werden, an welcher der Bürgermeister seine Pläne vorstellt. Die Lernenden sammeln Argumente für den Schutz des Waldes und überlegen, welche Bedürfnisse der Bürgermeister und die Bevölkerung haben könnten. Dadurch entsteht kein einfacher Gegensatz zwischen guten Kindern und einem bösen Erwachsenen. Vielmehr wird untersucht, wie Wohnraum, Verkehr, wirtschaftliche Interessen und Naturschutz miteinander in Konflikt geraten können.
Anschließend schreiben die Lernenden einen Brief an den Bürgermeister. Darin beschreiben sie die Bedeutung des Waldes, nennen betroffene Lebewesen und schlagen eine Lösung vor. Vor dem Schreiben können gemeinsam Kriterien für einen überzeugenden Brief entwickelt werden. Dazu gehören eine verständliche Anrede, sachliche Argumente, konkrete Beispiele, ein respektvoller Ton und ein begründeter Vorschlag.
Nach dem Weiterlesen vergleichen die Lernenden ihre Lösungen mit der Entscheidung der Geschichte. Sie beurteilen, ob eine Bebauung um den Wald herum tatsächlich alle Probleme löst. Ältere Lernende können zusätzlich fragen, ob ein Wald durch Straßen und Gebäude zerschnitten wird und welche Folgen dies für Tiere, Pflanzen und Wasserhaushalt haben kann. So wird das Bilderbuch nicht nur bestätigt, sondern kritisch weitergedacht.
Das Bilderbuch „Das ist eine wunderschöne Wiese“ erzählt, wie Menschen einen Naturraum nutzen und schrittweise verändern, bis die Wiese kaum noch von der Stadt zu unterscheiden ist. Die Geschichte ermöglicht Gespräche über Bedürfnisse, Grenzen und unbeabsichtigte Folgen. Die Lernenden überlegen, was Menschen auf einer Wiese tun möchten, welche Nutzung verträglich ist und wann Erholung zur Belastung für den Lebensraum wird.
Nach der Geschichte können die Lernenden eine eigene wunderschöne Wiese gestalten. Sie zeichnen Pflanzen, Tiere, Menschen und Nutzungsmöglichkeiten. Anschließend stellen sie ihre Bilder vor und erklären, welche Regeln zum Schutz des Ortes gelten sollten. Dabei wird sichtbar, dass Menschen Natur nutzen dürfen, aber zugleich Verantwortung für ihren Erhalt tragen.
Die Gesprächsfragen des Beitrags unterstützen das Philosophieren mit Lernenden. Besonders geeignet sind Fragen wie: Haben die Menschen aus ihren Fehlern gelernt? Was könnte beim nächsten Mal anders werden? Wem gehört eine Wiese? Haben Tiere und Pflanzen eigene Ansprüche auf Lebensraum? Die Lehrkraft sammelt unterschiedliche Antworten und fordert Begründungen ein, ohne vorschnell eine Musterlösung vorzugeben.
Der Beobachtungsbogen kann bei einem Spaziergang rund um die Schule eingesetzt werden. Vor dem Gang werden Regeln, Laufweg, Zeitrahmen und Beobachtungsschwerpunkte vereinbart. Die Lernenden notieren Orte, an denen sie sich wohlfühlen, Lebensräume von Tieren und Pflanzen, störende Situationen und mögliche Verbesserungen. Jüngere Lernende können Symbole verwenden, Zeichnungen anfertigen oder ihre Beobachtungen einer Begleitperson diktieren.
Während des Spaziergangs sollte nicht nur nach Problemen gesucht werden. Ebenso wichtig sind Orte, die bereits gut gestaltet sind. Ein alter Baum, ein unversiegelter Boden, ein Insektenquartier, eine Sitzbank oder ein geschützter Rückzugsraum können als gelungene Beispiele wahrgenommen werden. Dies stärkt eine wertschätzende Haltung und verhindert, dass die Schulumgebung ausschließlich als mangelhaft erscheint.
Nach dem Spaziergang werden die Beobachtungen geordnet. Eine große Karte der Schulumgebung kann mit Farben oder Symbolen versehen werden. Eine Farbe steht für schützenswerte Orte, eine weitere für Probleme und eine dritte für Veränderungsideen. Anschließend wählen die Lernenden ein Anliegen aus, das innerhalb ihrer Möglichkeiten bearbeitet werden kann.
Das vorgeschlagene Lernen durch Engagement verbindet fachliches Lernen mit einem Dienst am Gemeinwohl. Ein Projekt beginnt mit einer sorgfältigen Analyse und nicht mit einer vorgegebenen Aktion. Die Lernenden fragen, wo Menschen Unterstützung benötigen oder wo Strukturen nachhaltiger werden können. Mögliche Projekte sind die Pflege eines Lebensraums, eine Aktion gegen Lebensmittelverschwendung, die Gestaltung eines Ruheortes, eine gerechtere Nutzung des Schulhofs oder die Unterstützung einer sozialen Einrichtung.
Die Auswahl eines Projekts kann durch eine Abstimmung erfolgen. Zuvor prüfen die Lernenden jede Idee anhand der Kriterien Nutzen, Aufwand, Kosten, benötigte Unterstützung und Nachhaltigkeit. Dadurch lernen sie, dass verantwortliches Engagement Planung, Zusammenarbeit und realistische Entscheidungen erfordert.
In Kleingruppen entwickeln die Lernenden einen Projektplan. Sie formulieren ein Ziel, legen Aufgaben fest, bestimmen benötigte Materialien und überlegen, wer um Erlaubnis oder Unterstützung gebeten werden muss. Veränderungen auf dem Schulgelände dürfen nur in Absprache mit Schulleitung, Hausverwaltung und weiteren Verantwortlichen erfolgen. Schilder, Pflanzen oder bauliche Elemente werden nicht ohne Genehmigung aufgestellt.
Lernen durch Engagement darf nicht dazu führen, dass hilfsbedürftige Menschen lediglich als Lerngegenstände betrachtet werden. Bei einem sozialen Projekt werden Wünsche und Erfahrungen der betroffenen Personen oder Einrichtungen ernst genommen. Die Zusammenarbeit erfolgt respektvoll und möglichst auf Augenhöhe. Persönliche Daten, Fotografien und Lebensgeschichten werden geschützt.
Nach der Umsetzung folgt eine ausführliche Reflexion. Die Lernenden beschreiben, was gelungen ist, welche Schwierigkeiten entstanden, wer von dem Projekt profitiert und was künftig verändert werden sollte. Entscheidend ist nicht nur das sichtbare Ergebnis, sondern auch das Lernen über Verantwortung, Zusammenarbeit, Konflikte und eigene Handlungsmöglichkeiten.
Die theologische Vertiefung kann mit der biblischen Schöpfungserzählung verbunden werden. Der Mensch erhält Verantwortung für die Erde, ist aber nicht ihr uneingeschränkter Besitzer. Psalm 104 kann das Staunen über die Vielfalt des Lebens fördern. Die prophetische Vision von Frieden und Gerechtigkeit eröffnet eine Vorstellung von einer guten Zukunft für alle.
Matthäus Kapitel 25 Vers 40 verbindet das Engagement für andere Menschen mit der Begegnung mit Christus. Der Vers sollte nicht auf eine bloße Belohnung für gute Taten reduziert werden. Er macht deutlich, dass die Würde und Not eines Menschen religiöse Bedeutung besitzen. Die Lernenden können überlegen, wer in ihrem Umfeld leicht übersehen wird und wie respektvolle Unterstützung aussehen kann.
Der Begriff Hoffnung benötigt eine klare Abgrenzung von naivem Optimismus. Christliche Hoffnung bedeutet nicht, ökologische und soziale Krisen zu verharmlosen. Sie kann Menschen vielmehr Mut geben, Schwierigkeiten wahrzunehmen, Verantwortung anzunehmen und trotz begrenzter Möglichkeiten zu handeln. Auch Enttäuschungen und unerfüllte Ziele dürfen in der Reflexion vorkommen.
Bei der Behandlung der Klimakrise sollte die Lehrkraft auf Überforderung und Zukunftsangst achten. Die Lernenden benötigen sachliche Informationen, Raum für Gefühle und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Verantwortung darf nicht allein auf Kinder übertragen werden. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Erwachsene tragen eine besondere Verantwortung für wirksame Veränderungen.
Als Ergebnissicherung können die Lernenden ein Zukunftsbuch gestalten. Darin sammeln sie Bilder, Beobachtungen, biblische Hoffnungsworte, Projektpläne und Rückblicke auf ihr Engagement. Alternativ kann eine Ausstellung entstehen, die der Schulgemeinschaft zeigt, welche Lebensräume entdeckt wurden und welche Veränderungen die Lerngruppe anregen möchte.
Primarstufe, explizit Klassen 3–6. Die Bilderbuch-Zugänge und die kreativ-handelnden Methoden sind primär für Klasse 3/4 geeignet; die service-learning-Methode und die theologische Reflexion können ab Klasse 5/6 vertieft werden.
Curriculare Einbettung: BNE / Schöpfungsverantwortung / Umweltethik / Nächstenliebe und Diakonie / Jüngerschaft und Nachfolge (Mt 25,40). Fächerübergreifende Anknüpfungspunkte: Sachkunde (Natur und Umwelt), Deutsch (Bilderbuch, Schreiben eines Briefs), Kunst (Die eigene wunderschöne Wiese malen). Der Bezug auf das Reich-Gottes-Motiv und die Schöpfungstheologie ist für den katholischen wie evangelischen RU gleichermaßen anschlussfähig. Die Autorin ist an einer evangelischen KPH tätig; die Inhalte sind ökumenisch kompatibel.
Methodische Stärken: Das Bilderbuch ermöglicht unmittelbare emotionale Involvierung und ist für die Primarstufe ein ausgezeichnetes didaktisches Medium. Die Unterbrechungsstrategie – Geschichte an definierten Momenten pausieren, SuS zu Handlungsvorschlägen auffordern (Brief an den Bürgermeister) – erzeugt kognitive Dissonanz und fördert moralisches Urteilen. Der Übergang von der literarischen Fiktion zur realen Umgebungsanalyse (Spaziergang rund um die Schule) verbindet Lernen mit konkreter Lebenswelt. Service learning verknüpft religiöse Motivation mit sozialer Praxis und bietet echte Selbstwirksamkeitserfahrungen.
Mögliche Unterrichtsszenarien: Klasse 3/4: Vorlesen von „Das Städtchen Drumherum" mit Unterbrechung → SuS schreiben Briefe an den Bürgermeister → Spaziergang zur Umgebungsanalyse (M 1) → Abschlussreflexion: Was hat das mit Schöpfung zu tun? Klasse 5/6: service-learning-Projekt in Kleingruppen → Problemanalyse in der Schulumgebung → Projektplan entwickeln und umsetzen → theologische Reflexion mit Mt 25,40. Mehrstufige Einheit: Vom Bilderbuch über die Umgebungsanalyse bis zur konkreten Aktion (Schild aufstellen, Beet anlegen, Petition schreiben).
Differenzierung: Das Materialblatt M 1 ist direkt einsetzbar. Briefe an den Bürgermeister können als offenes Format oder mit gestützten Satzanfängen angeboten werden. Die theologische Reflexionsebene ist skalierbar: von der schlichten Frage „Warum schützen wir die Natur als Christinnen?" bis zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Schöpfungsauftrag und dem Reich-Gottes-Motiv. Für inklusive Settings: bildgestützte Varianten der Umgebungsanalyse, Fotosafari statt schriftlicher Notizen.
Limitationen: Die Bilderbücher stammen aus dem österreichischen Verlagskontext; Verfügbarkeit ist vorab zu klären. Service-learning-Projekte erfordern erhöhten Planungsaufwand und schulische Rahmenbedingungen (Kooperationspartner, Ausgangserlaubnis). Der Beitrag ist knapp gehalten; konkrete Zeitplanung und Verlaufsskizze müssen von der Lehrkraft ergänzt werden.