Der Artikel untersucht einen bislang wenig beachteten Aspekt der abnehmenden Religiosität von Kindern und Jugendlichen: den Zusammenhang zwischen Wertorientierungen, religiösen Überzeugungen und Erziehungszielen. Basierend auf repräsentativen Daten des Religionsmonitors (n = 2003) und des World Values Survey (n = 1525) zeigt die Studie hochsignifikante Korrelationen zwischen diesen Dimensionen auf. Die Analyse folgt dabei der etablierten Wertetheorie von Shalom Schwartz, die Werte in vier übergeordnete Bereiche einordnet: Offenheit für Neues versus Bewahrung des Bestehenden sowie Selbststärkung versus Selbstüberwindung. Ein zentrales Ergebnis lautet, dass die Wertestruktur von Personen sich sowohl in den von ihnen selbst erlebten Erziehungszielen im eigenen Elternhaus als auch in den für ihre Kinder bevorzugten Erziehungszielen widerspiegelt. Dies bedeutet: Wer in einem Elternhaus aufwächst, das bestimmte Werte und religiöse Ziele vermittelt, wird diese Orientierungen später bei der Erziehung der eigenen Kinder weitergeben. Der Beitrag differenziert damit Erziehungsmilieus nach ihrer Wertestruktur und belegt, dass bestimmte Milieus in besonderem Maße mit Religiosität verbunden sind. Damit bietet der Text eine empirisch fundierte Perspektive auf die Frage, weshalb religiöse Erziehung in christlichen Familien an Bedeutung verliert – nicht primär als Mangel, sondern als Verschiebung von Werteprioritäten, die sich kontinuierlich von einer Generation zur nächsten weitervererbt.