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Thomas SchlagTheoWeb

Thomas Schlag,

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Religiöse Bildung und Politik – eine Felderöffnung aus evangelischer Perspektive

Veröffentlichung:1.5.2026

Politisierte Zeiten verlangen nach einer Neupositionierung der Religionspädagogik: Wie können Schulen religiöse Bildung gestalten, wenn Gesellschaft von Wut, Angst und Polarisierung geprägt ist statt von gemeinsamen Leitbildern?

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Religiöse Bildung steht gegenwärtig vor der Herausforderung, sich in einer zunehmend polarisierten und emotionalisierten Gesellschaft neu zu positionieren. Der Beitrag plädiert dafür, die Verbindung von religiöser Bildung und Politik aus einer theologisch grundierten, pneumatologischen Perspektive zu durchdenken – nicht als theoretisches Gedankenexperiment, sondern als praktische Antwort auf aktuelle gesellschaftliche Dynamiken. Der Autor argumentiert, dass es für die Religionspädagogik unabdingbar ist, die gegenwärtigen politischen Bewegungen (von „Fridays for Future" bis „Pegida"), ihre mediale Inszenierung und die emotionale Aufgeladenheit gegenwärtiger Debatten ernst zu nehmen und bewusst wahrzunehmen. Dabei greift er auf Charles Taylors Konzept der „Social Imagineries" zurück – jene gemeinsamen Vorstellungen und Leitbilder, die gesellschaftliches Zusammenleben konstituieren. Taylors Analyse zeigt, dass stabile Gesellschaften von geteilten sozialen Imaginationen über Wirtschaft, öffentliche Sphäre und Volkssouveränität leben. Doch die gegenwärtige Situation in westlichen Gesellschaften ist geprägt von Zorn, Angst und Ekel statt von Konsens und Verlässlichkeit – wie Autoren wie Martha Nussbaum, Cornelia Koppetsch und Carolin Emcke eindrucksvoll beschreiben. Der Beitrag macht deutlich, dass Religionsunterricht und Religionspädagogik sich dieser „Emotions-Imaginationen" bewusst werden müssen, um angemessen auf die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können. Eine theologisch begründete, lebensdienliche und politisch dimensionierte religiöse Bildung könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten – muss sich aber kontinuierlich ihrer eigenen Plausibilität vergewissern und dem Relevanztest aussetzen.

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