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feinschwarzDaniel Kosch

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Daniel Kosch

Synodalität in schweizerischen Kirchenstrukturen

Veröffentlichung:1.5.2026

Die katholische Kirche der Schweiz verpasst die Chance, Papst Franziskus' synodale Reformvision durch strukturierte Prozesse umzusetzen, und bleibt in föderalistischer Zersplitterung stecken, statt sich nationalen Herausforderungen und der Entkirchlichung gemeinsam zu stellen.

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Der Autor analysiert die Reformvision von Papst Franziskus zur synodalen Kirche als radikale, spirituell motivierte Erneuerung, die hierarchische Strukturen aufbrechen und die „Pathologie der kirchlichen Macht" überwinden soll. Franziskus versteht Synodalität als Weg, die Kirche an die Ränder zu bringen, den Glaubenssinn des Gottesvolkes zu respektieren und den Klerikalismus zu bekämpfen. Diese Vision fordert kühne Redefreiheit und eine heilsame Dezentralisierung ein. Die deutsche Katholische Kirche hat diese Programmatik aufgegriffen und einen strukturierten, transparenten synodalen Weg etabliert. Als Reaktion auf die Missbrauchskrise erkannten die deutschen Bischöfe, dass die pyramidal-hierarchische Kirchenstruktur synodal transformiert werden muss. Der deutsche Synodale Weg wird vom Autor als Modell für synodale Prozesse in demokratischen Kontexten gewürdigt, da er bereits durch seine Strukturen für Machtverteilung und -kontrolle sorgt. Die Schweizer Kirche hingegen ist diesen Weg nicht gegangen. Trotz der Missbrauchskrise 2023 wurde kein strukturiertes synodales Reformprojekt eingeleitet. Die eingesetzte „Synodalitätskommission" operiert ohne echte Entscheidungsbefugnis. Das Hauptproblem liegt in der föderalistischen Zersplitterung: Die autonomen Kirchgemeinden, Kantonalkirchen und Bistümer legen Wert auf Unabhängigkeit, statt sich auf nationaler Ebene auf gemeinsame Ziele zu verständigen. Der Preis dieser Zögerlichkeit ist hoch: Die Kirche wird national als gestaltende Kraft nicht wahrgenommen, hat keinen Plan gegen Entkirchlichung und verliert sich in Kirchturmsdenken, während die Bischofskonferenz bloße „Plattform" bleibt statt strukturelle Kraft zu werden.

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