Der Artikel argumentiert, dass das Konzept der Synodalität in der gegenwärtigen katholischen Kirche zwar prominent diskutiert wird, die Bedeutung der Bibelpastoral für diesen Prozess aber bislang unterbelichtet bleibt. Der Autor zeigt auf, dass Papst Franziskus selbst das Hören auf das Wort Gottes als zentral für synodales Miteinander betont, doch in der deutschsprachigen Kirche Synodalität meist primär als Frage von Gremien und Strukturen verstanden wird. Dagegen plädiert der Text dafür, die Bibel selbst als Lehrmeisterin für Synodalität zu befragen: Im Alten Testament verkörpert der Exodus-Weg des Volkes Gottes durch die Wüste das synodale Miteinander-auf-dem-Weg-Sein; im Neuen Testament ist es der gemeinsame Weg Jesu mit seinen Jüngern von Galiläa nach Jerusalem. Alle kirchlichen Strukturen sollten sich danach bemessen, ob sie zur größeren Freiheit und solidarischen Gemeinschaft beitragen. Der Autor betont dabei, dass eine synodale Kirche die methodische Vielfalt, Kreativität und auch Streitbarkeit der Bibel nachahmen sollte. Die Bibel zeigt zudem, dass synodale Prozesse Generationen brauchen und zu offenen Ergebnissen führen können. Besonders wertvoll ist die „externe" Perspektive biblischer Texte, die der Kirche unbequeme Wahrheiten zumutet und nicht nur bestätigt, was sie bereits denkt.