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feinschwarzWolfgang Treitler

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Wolfgang Treitler

Kirche als Demokratie

Veröffentlichung:1.5.2026

Die synodalen Prozesse der katholischen Kirche bleiben trotz Papst Franziskus' Bemühungen strukturell wirkungslos, weil die hierarchische Machtkonzentration unangetastet bleibt und eine abgewetzte, bedeutungslose Sprache den Glaubensschwund verschärft – statt Demokratisierung braucht die Kirche eine Neuorientierung an jüdischen Modellen von Laiengelehrsamkeit und wissenschaftlicher Demut.

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Die römisch-katholische Kirche durchlebt zwar synodale Prozesse unter Papst Franziskus, doch diese führen zu keinen substanziellen Veränderungen. Kirchenrechtlich bleiben alle Entscheidungen bei den Bischöfen, während vorherige Diskussionen und Beratungen wirkungslos verpuffen. Das zeigt sich exemplarisch bei der Besetzung von Synoden: Bei der Familiensynode 2015 trafen etwa 300 Bischöfe auf wenige ausgewählte Eheleute, obwohl über 34.000 Eingaben aus Österreich vorausgingen. Ähnlich beim „Anti-Missbrauchs-Gipfel" mit 190 Klerikern gegenüber einer Handvoll von Missbrauchsgepeinigten. Die kirchlichen Schreiben, die aus solchen Treffen hervorgehen, bedienen sich einer abgewetzten Sprache voller bedeutungsloser Phrasen – ein Phänomen, das Abraham J. Heschel bereits vor 50 Jahren beschrieb: „Wir haben Gott in unsere Tempel und Schlagworte eingesperrt, und jetzt stirbt das Wort Gottes auf unseren Lippen." Der Kern des Problems liegt in der absolutistischen hierarchischen Struktur, die ihre theologische Fundierung verloren hat. Diese Hierarchie lässt sich nicht auf das Neue Testament zurückführen, sondern verdankt sich der Militarisierung der frühen römischen Gemeinde, wie sie der Clemensbrief zeigt. Sie wurde über Jahrhunderte gepflegt und kulminierte im 19. Jahrhundert in der päpstlichen Unfehlbarkeit. Besonders im Umgang mit Sexualverbrechen zeigt sich die Unhaltbarkeit dieses Systems: Das unfehlbare Lehramt beschreitet Wege von Täuschung und Lüge. Die hierarchische Form ist am Ende, ihre theologische Grundlage tot. Die Lösung liegt in einer demokratischen Neugestaltung der Kirche. Demokratie setzt Bildung voraus und ermöglicht Aufklärung, Kritik und Selbstkritik sowie rechtliche Strukturen, in denen Kompetenzen – nicht fiktive Hierarchien – entscheidend sind. Ein Vorbild bietet das Judentum: Seit Jahrhunderten praktizieren jüdische Gemeinschaften demokratische Strukturen, ohne ihr Profil zu verlieren. Thomas Fornet-Ponses Arbeit zur „Ökumene in drei Dimensionen" plädiert für „wissenschaftliche Demut" auf Basis rabbinischer Tradition, die von Laiengelehrten getragen wird. Diese sind hochkompetente Lehrende ihrer Gemeinden, von diesen eingesetzt und ihnen rechenschaftspflichtig – nicht von oben herab herrschend. Bezeichnenderweise wurden alle dogmatischen Beschlüsse bis zum Ersten Vatikanum durch Mehrheiten abgesichert, ein Prinzip, das die heutige Kirche wieder entdecken müsste.

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