Der Artikel analysiert die Rolle des Vatikans im globalen Klimaschutz am Beispiel der „Lebendigen Kapellen". Zunächst wird das Pariser Klimaabkommen von 2015 als Paradigmenwechsel beschrieben: Statt verbindlicher staatlicher Vorgaben setzt es auf freiwillige nationale Reduktionsziele und öffentlichen Druck durch nichtstaatliche Akteure wie Städte, Unternehmen und Religionsgemeinschaften. Diese dezentrale Strategie funktioniert nur, wenn Ehrlichkeit, Vertrauen und öffentliches Interesse vorhanden sind.
In diesem Kontext wird das vatikanische Projekt der Lebendigen Kapellen verortet, das seit dem Vorjahr in Rom, Mailand und der Poebene umgesetzt wird. Diese aus recyceltem Aluminium konstruierten Kapellen mit über 3.500 Pflanzen sollen erfahrungsbasierte Zugänge zur Schöpfung schaffen, wie sie die Enzyklika Laudato si' fordert. Das Projekt verbindet franziskanische Schöpfungstheologie mit dem ignatianischen Impuls und dem lehramtlichen Konzept ganzheitlicher Entwicklung.
Der Artikel identifiziert vier Stärken des Projekts: (1) Es motiviert Basisbewegungen wie Laudato si'-Gärten ohne enge Vorgaben und passt dadurch ins Spektrum aktueller dezentraler Klimaschutzbewegungen. (2) Das Projekt vernetzt Glaubensgemeinschaften untereinander und darüber hinaus, wie die Orientierung an den UN-Nachhaltigkeitszielen und die Beteiligung an der Initiative „Faith for Earth" zeigen. (3 und 4) folgen im weiteren Text.