Der Beitrag eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe I und kann darüber hinaus in der Konfirmandenarbeit eingesetzt werden. Thematisch bietet er sich für Unterrichtseinheiten zu Schöpfung, Schöpfungsverantwortung, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Klimawandel, Psalmen und globaler Verantwortung an. Seine besondere religionspädagogische Stärke besteht darin, dass Nachhaltigkeit nicht lediglich als ökologisches Thema behandelt wird. Vielmehr wird ein umfassendes Verständnis von Schöpfung entwickelt, das Mensch, Tier, Natur und gesellschaftliches Zusammenleben miteinander verbindet. Der Beitrag verweist dabei auch auf den Konziliaren Prozess, in dem Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zusammengedacht werden.
Als Einstieg kann die Lehrkraft den Begriff Schöpfung präsentieren und die Lernenden spontan sammeln lassen, was für sie zur Schöpfung gehört. Erwartbar sind zunächst Begriffe wie Tiere, Pflanzen, Menschen, Erde, Wasser oder Himmel. Anschließend kann gefragt werden, ob auch Frieden, Gerechtigkeit, Gesundheit und menschliches Zusammenleben etwas mit Schöpfung zu tun haben. Dadurch wird eine zentrale Einsicht des Beitrags vorbereitet: Ein theologisches Verständnis von Schöpfung kann weiter reichen als ein ausschließlich auf Natur und Umwelt bezogener Schöpfungsbegriff.
In einer zweiten Phase werden die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen vorgestellt. Die Lernenden wählen in kleinen Gruppen jeweils ein Ziel aus. Zu diesem Ziel suchen sie Beispiele, bei denen bereits Fortschritte erzielt wurden oder Ansätze einer gelungenen Umsetzung sichtbar sind. Die Recherche kann sich sowohl auf das unmittelbare Lebensumfeld als auch auf globale Beispiele beziehen. Digitale Recherche eignet sich dabei besonders, da Lernende aktuelle Beispiele aus ihrer Region oder aus anderen Teilen der Welt einbeziehen können. Dieses Vorgehen entspricht dem vorgeschlagenen Konzept des Beitrags.
Methodisch interessant ist die bewusste Konzentration auf gelungene Beispiele. Unterricht zu Klimawandel, Armut, Hunger und globaler Ungerechtigkeit ist häufig problemorientiert. Dies ist sachlich notwendig, kann bei Lernenden jedoch auch Gefühle von Überforderung und Hilflosigkeit hervorrufen. Die Suche nach bereits erreichten Verbesserungen ermöglicht einen anderen Zugang. Lernende entdecken, dass gesellschaftliche Veränderungen möglich sind und Menschen Verantwortung übernehmen können.
Im nächsten Schritt werden die recherchierten Ergebnisse in poetische Texte übertragen. Die Lernenden sollen nicht einfach einen Sachtext verfassen, sondern das Positive und Gelungene sprachlich hervorheben. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Sachwissen und religiöser Sprachbildung. Die Lernenden erfahren, dass dieselbe Wirklichkeit unterschiedlich sprachlich dargestellt und gedeutet werden kann.
Besonders ergiebig für den Religionsunterricht ist die anschließende Frage nach der Adressierung der Texte. Die Lernenden überlegen, wem für positive Entwicklungen gedankt werden kann. Denkbar sind einzelne Menschen, Wissenschaft, Politik, gesellschaftliche Gruppen oder Gott. Anschließend können die Texte probeweise so verändert werden, dass Gott angesprochen wird. Genau an dieser Stelle entstehen zentrale theologische Fragen: Kann Gott für menschliche Erfolge gelobt werden? Welche Rolle spielen menschliches Handeln und göttliches Wirken? Kann Gott für die positiven Seiten der Welt gelobt werden, wenn gleichzeitig Leid und Zerstörung existieren? Der Beitrag weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Fragen bei der Adressierung an Gott entstehen können.
Diese Spannung sollte im Unterricht nicht vorschnell aufgelöst werden. Gerade die Frage nach dem Verhältnis von Gott und menschlicher Verantwortung kann einen theologischen Lernprozess eröffnen. Lernende können unterschiedliche Positionen entwickeln und miteinander vergleichen. Dabei muss keine einheitliche Antwort gefunden werden.
Anschließend wird Psalm 104 in die Unterrichtsarbeit einbezogen. Nach dem Konzept des Beitrags soll der Psalm zunächst im Ganzen wahrgenommen werden. Es ist nicht erforderlich, jeden Vers vollständig zu erklären oder das antike Weltbild detailliert zu erschließen. Vielmehr können Lernende intuitiv nach Versen suchen, die zu ihrem jeweiligen Nachhaltigkeitsziel passen. Dadurch wird der biblische Text nicht zuerst als Gegenstand einer umfassenden Analyse behandelt, sondern als Gesprächspartner für gegenwärtige Fragen.
Für die Textarbeit können die Lernenden passende Aussagen farbig markieren und begründen, warum sie eine Verbindung zwischen dem Psalm und ihrem Nachhaltigkeitsziel erkennen. Entscheidend ist dabei nicht, dass alle Lernenden dieselben Zuordnungen vornehmen. Unterschiedliche Zuordnungen können vielmehr zum Anlass werden, über verschiedene Möglichkeiten der Bibelauslegung zu sprechen.
In einer weiteren Phase ergänzen die Lernenden ihre eigenen Texte durch passende Aussagen aus Psalm 104. Dadurch treten der alte biblische Text und gegenwärtige Fragen der Nachhaltigkeit miteinander in einen Dialog. Die Lernenden erfahren exemplarisch, dass biblische Texte nicht nur historische Dokumente darstellen, sondern zur Deutung gegenwärtiger Herausforderungen herangezogen werden können.
Abschließend können die einzelnen Texte zu einem gemeinsamen Psalm der Lerngruppe zusammengestellt werden. Die 17 Nachhaltigkeitsziele bilden dafür eine mögliche Struktur. Gemeinsam werden Anfang und Ende des Textes gestaltet. Das fertige Produkt kann anschließend vorgelesen, ausgestellt oder digital veröffentlicht werden. Denkbar ist auch eine Präsentation innerhalb eines Gottesdienstes oder einer schulischen Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit.
Für den schulischen Religionsunterricht ist ein Hinweis des Beitrags besonders bedeutsam. Andreas Behr schlägt vor, bewusst mit unterschiedlichen Textfassungen zu arbeiten. In einer Version wird Gott als Adressat erprobt. Eine weitere Version kann diejenige sein, auf die sich die Lernenden selbst einigen. In dieser muss Gott nicht zwingend vorkommen. Dieses Verfahren ermöglicht es auch Lernenden ohne persönlichen Gottesglauben, aktiv am theologischen Lernprozess teilzunehmen. Sie können religiöse Sprache erproben, ohne zu einem persönlichen Glaubensbekenntnis verpflichtet zu werden.
Für eine vertiefende Reflexion eignet sich die Frage, ob ein Psalm nur dann religiös ist, wenn Gott ausdrücklich genannt wird. Die Lernenden können ihre eigenen Texte miteinander vergleichen und untersuchen, was sich verändert, sobald Gott angesprochen wird. Dadurch wird religiöse Sprache selbst zum Unterrichtsgegenstand.
Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Verantwortung des Menschen liegen. Psalm 104 beschreibt die Welt als Schöpfung Gottes. Die Nachhaltigkeitsziele richten sich dagegen wesentlich auf menschliches Handeln. Daraus entsteht die Frage, welche Verantwortung Menschen besitzen, wenn sie die Welt als Schöpfung verstehen. Die Lernenden können diskutieren, ob der Glaube an Gott Verantwortung vermindert oder gerade begründet und verstärkt.
Auch der Zusammenhang von Gerechtigkeit und Klimawandel sollte berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit betrifft nicht ausschließlich Pflanzen, Tiere und Landschaften. Klimatische Veränderungen können soziale Ungleichheiten verstärken und die Bekämpfung von Armut erschweren. Der Beitrag betont deshalb, dass die 17 Nachhaltigkeitsziele weit über Klimaschutz und Naturschutz hinausgehen.
Als Abschluss können die Lernenden die Aussage „Schöpfung bewahren bedeutet mehr als die Umwelt schützen“ beurteilen. Sie greifen dabei auf Psalm 104, die Nachhaltigkeitsziele und die Ergebnisse ihrer eigenen Arbeit zurück. Dadurch werden biblisches Lernen, ethische Urteilsbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung miteinander verbunden.
Fragestellungen zum Medium mit Antworten
Was ist das zentrale Thema des Beitrags?
Der Beitrag verbindet Psalm 104 mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Dabei wird untersucht, wie ein christliches Verständnis von Schöpfung mit gegenwärtigen Fragen nach Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung verbunden werden kann.
Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit bedeutet, so zu handeln, dass gegenwärtige Bedürfnisse berücksichtigt werden, ohne die Lebensmöglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Dabei geht es nicht nur um Natur und Umwelt, sondern ebenso um soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen.
Was haben Nachhaltigkeit und Schöpfung miteinander zu tun?
Aus christlicher Perspektive kann die Welt als Schöpfung Gottes verstanden werden. Der Mensch ist Teil dieser Schöpfung und besitzt zugleich besondere Möglichkeiten, sie zu schützen oder zu schädigen. Daraus kann eine Verantwortung für Natur, Mitmenschen und gesellschaftliches Zusammenleben abgeleitet werden.
Warum reicht es nicht aus, Nachhaltigkeit nur als Umweltschutz zu verstehen?
Die 17 Nachhaltigkeitsziele umfassen wesentlich mehr als Klima und Natur. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Armut, Hunger, Gesundheit, Bildung, Frieden und Gerechtigkeit. Nachhaltigkeit besitzt deshalb auch eine soziale und politische Dimension.
Welche Bedeutung besitzt Psalm 104?
Psalm 104 ist ein biblischer Schöpfungspsalm. Er beschreibt und lobt unterschiedliche Bereiche der Schöpfung und bringt sie mit Gott als Schöpfer in Verbindung. Im Unterricht wird der Psalm mit den heutigen Nachhaltigkeitszielen ins Gespräch gebracht.
Warum wird Psalm 104 mit den Nachhaltigkeitszielen verbunden?
Durch die Verbindung wird sichtbar, dass ein biblischer Text über Schöpfung auch Fragen berühren kann, die heute unter dem Begriff Nachhaltigkeit diskutiert werden. Dabei geht es nicht darum, die modernen Nachhaltigkeitsziele unmittelbar in den antiken Text hineinzulesen, sondern beide Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen.
Was sind die 17 Nachhaltigkeitsziele?
Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen formulieren globale Ziele für eine nachhaltigere und gerechtere Entwicklung. Sie umfassen ökologische, soziale und wirtschaftliche Bereiche und beziehen sich unter anderem auf Armut, Hunger, Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung, Klima, Frieden und verantwortungsvollen Konsum.
Warum suchen die Lernenden nach gelungenen Beispielen?
Die Suche nach positiven Entwicklungen zeigt, dass Veränderung möglich ist. Lernende beschäftigen sich dadurch nicht ausschließlich mit Krisen und Problemen, sondern nehmen auch wahr, wo Menschen bereits Verantwortung übernehmen und Verbesserungen erreichen.
Warum sollen die Lernenden eigene poetische Texte verfassen?
Durch poetisches Schreiben werden Informationen in eine andere Sprachform übertragen. Lernende müssen auswählen, verdichten und sprachlich gestalten. Gleichzeitig nähert sich die eigene Sprache dadurch der Ausdrucksweise eines Psalms an.
Warum werden die Texte an unterschiedliche Personen oder an Gott adressiert?
Die Adressierung verändert die Bedeutung eines Textes. Wenn Gott angesprochen wird, entsteht eine religiöse Deutung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie menschliches Handeln und göttliches Wirken zueinander in Beziehung gesetzt werden können.
Kann Gott für menschliche Erfolge gelobt werden?
Darauf sind unterschiedliche theologische Antworten möglich. Menschen können Erfolge als Ergebnis menschlicher Fähigkeiten verstehen und zugleich glauben, dass diese Fähigkeiten Teil der Schöpfung Gottes sind. Andere Menschen verzichten auf eine religiöse Deutung. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven können im Religionsunterricht diskutiert werden.
Wer trägt Verantwortung für die Schöpfung?
Aus christlicher Perspektive besitzt der Mensch Verantwortung für seinen Umgang mit der Schöpfung. Diese Verantwortung betrifft nicht nur Natur und Tiere, sondern auch das Zusammenleben von Menschen, Gerechtigkeit und Frieden.
Was haben Klimawandel und soziale Gerechtigkeit miteinander zu tun?
Klimatische Veränderungen treffen Menschen unterschiedlich stark und können bestehende Ungerechtigkeiten verschärfen. Deshalb lassen sich ökologische und soziale Probleme nicht vollständig voneinander trennen.
Was bedeutet Bewahrung der Schöpfung?
Bewahrung der Schöpfung kann als verantwortungsvoller Umgang mit der gesamten Mitwelt verstanden werden. Dazu gehören Natur und Tiere ebenso wie gerechte Lebensbedingungen, Frieden und verantwortliches gesellschaftliches Handeln.
Was ist der Konziliare Prozess?
Im Konziliaren Prozess werden Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung miteinander verbunden. Dadurch wird deutlich, dass christliche Verantwortung ökologische, soziale und friedensethische Fragen gemeinsam in den Blick nehmen kann.
Warum eignet sich das Thema für den Religionsunterricht?
Das Thema verbindet biblische Texte mit aktuellen globalen Herausforderungen. Lernende können erfahren, dass Schöpfungsglaube nicht ausschließlich eine Aussage über den Ursprung der Welt darstellt, sondern Konsequenzen für die Gestaltung der Gegenwart haben kann.
Welche zentrale Frage kann die Unterrichtseinheit abschließen?
Eine zentrale Frage lautet: „Welche Verantwortung haben wir für eine Welt, die Christinnen und Christen als Schöpfung Gottes verstehen?“ Die Frage verbindet Schöpfungsglaube, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und persönliches Handeln.
Der Artikel entfaltet eine theologisch weite Schöpfungsperspektive: Nachhaltigkeit ist mehr als Ökologie; sie umfasst die gesamte Mitwelt des Menschen – sozial, politisch, ökonomisch und ökologisch. Diese Weite spiegelt sich in den 17 SDGs, die von Armutsbekämpfung über Bildung und Gesundheit bis zu Klimaschutz und Frieden reichen. Der Autor knüpft an biblische Traditionen an (Schöpfungsmythen, Deuterojesaja, konziliarer Prozess „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“) und schlägt vor, diese mit Psalm 104 als poetischem Schöpfungslob ins Gespräch zu bringen.
Didaktisch zentral ist das produktive Schreiben: In Kleingruppen wählen die Jugendlichen jeweils ein SDG und recherchieren Beispiele gelingender Umsetzung (lokal oder global). Diese werden bewusst als poetischer Lobtext formuliert, in kurzen, positiven Sätzen, die Gelungenes pointieren. So wird eine Haltung des Dankens und Hoffens eingeübt, ohne Probleme zu leugnen. In einem zweiten Schritt werden die Texte adressiert (z. B. an politisch Handelnde, an Initiativen, oder an Gott). Gerade die probeweise Gottesadressierung eröffnet theologische Gespräche: Was bedeutet es, Gott für menschliche Errungenschaften zu danken? Wie gehen wir mit Ambivalenzen um (z. B. Krankheit/Heilung)? In der Konfi-Arbeit kann die Regel gelten, Gott als Adressaten des Lobs beizubehalten; im schulischen Kontext empfiehlt sich, zwei Versionen zu erstellen (mit/ohne Gottesadressierung), um weltanschauliche Pluralität zu berücksichtigen.
Anschließend wird Psalm 104 gemeinsam gelesen, nicht primär analytisch, sondern intuitiv-rezeptiv. Die Jugendlichen suchen Verse, die zu „ihrem“ SDG passen (z. B. zu SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ Verse über Lebensatem, Nahrung, Rhythmus von Tag und Nacht). So wird erfahrbar, dass biblische Schöpfungslob-Tradition Resonanzräume für heutige Nachhaltigkeitsfragen eröffnet. Die eigenen SDG-Texte werden mit ausgewählten Psalmversen ergänzt und zu einem gemeinsamen „SDG-Psalm“ in der Reihenfolge der 17 Ziele zusammengefügt, mit Einleitung und Schluss in Anlehnung an Psalm 104.
Religionspädagogisch verbindet das Verfahren biblische Textarbeit, theologische Reflexion, ethische Urteilsbildung und kreative Gestaltung. Es stärkt Sprachfähigkeit im Modus des Lobs (statt nur Problembeschreibung), fördert Teamarbeit und Medienkompetenz (Recherche) und eröffnet Dialogräume zwischen Glauben und globaler Verantwortung. Nachhaltigkeit wird so nicht moralisierend, sondern schöpfungstheologisch und poetisch erschlossen.