Die Frage nach einer möglichen Demokratisierung der Kirche wird bereits seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Der Autor verweist auf einen Artikel von Karl Lehmann aus dem Jahr 1971, der sich mit der dogmatischen Legitimation einer Demokratisierung der Kirche auseinandersetzte. Nach dem Zweiten Vatikanum, insbesondere nach der Ablehnung der Enzyklika Humanae vitae und dem Beginn der Würzburger Synode, verbreitete sich in der römischen Kurie eine Furcht vor einer Demokratisierung der Kirche. Diese Angst basierte auf einem unzureichenden Verständnis von Demokratie, die auf formale Elemente wie Mehrheitsentscheidungen reduziert wurde, während man befürchtete, dass das „Volk" über alle kirchlichen Belange abstimmen könnte.
Der Autor problematisiert, dass die gegenwärtige Debatte um den synodalen Weg diese alte Gegenüberstellung erneut aufgreift. Papst Franziskus betont in seinen Schreiben, dass Synodalität und Demokratie unvereinbar seien. Die Synode unterscheide sich grundlegend von einer demokratischen Versammlung, da sie vom Heiligen Geist geleitet werde und auf Konsens abziele, nicht auf Mehrheitsentscheidungen. Der Papst warnt vor einer „Logik des Konflikts", die die Kirche in progressive und traditionalistische Lager aufteile, und sieht darin eine Perversion des Wesens der Kirche. Der Autor stellt kritisch in Frage, ob diese Abgrenzung theologisch notwendig ist und welche Erfahrungen mit Demokratie hinter dieser Position stehen.