Die Autorin Kerstin Menzel argumentiert, dass die Analyse der Wahlergebnisse in Berlin und Brandenburg eine wichtige Dimension vernachlässigt: die Geschlechterfrage. Während Diskussionen um Deprivation und regionale Benachteiligung dominierten, wird übersehen, dass die AfD in Regionen besonders erfolgreich ist, in denen evangelikal geprägte Frömmigkeit verbreitet ist. Hier findet sich eine auffällige Übereinstimmung zwischen rechtspopulistischen Positionen und konservativ-christlichen Haltungen – insbesondere zu Geschlecht und Familie: Anti-Genderismus, klassische Geschlechterrollen, Ablehnung von LGBTQ+-Identitäten und Abtreibungskritik.
Die AfD nutzt diese ideologische Nähe strategisch, um gegen amtskirchliche Positionen zu mobilisieren. Beispiele sind der Widerstand gegen die Öffnung homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus oder die Kritik an geschlechtergerechter Sprache. Theoretisch untermauert wird dies durch Arbeiten von Annabelle Chapman und Steffen Mau, die zeigen, wie moderner Nationalismus mit „militarisierten Männlichkeitsidealen" und der Propagierung von Mutterschaft als nationale Pflicht verwoben ist. Für Menzel ist entscheidend, dass kirchliche Akteure diese Dimension des Rechtspopulismus stärker in den Blick nehmen müssen, um ihre Bedeutung für gesellschaftliche und politische Mobilisierung angemessen zu würdigen.