Die Schweizer Bischofskonferenz beschloss 2019, durch ein synodales Vorgehen Antworten auf die tiefe Krise der Kirche zu erarbeiten. Zentrale Themen sind dabei die Rolle der Frauen, das Zölibat, sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch. Papst Franziskus unterstreicht in seinem Brief an die deutsche Kirche, dass ohne aktive Beteiligung aller Glieder der Kirche keine echte Umgestaltung möglich ist. Eine Studie des Psychiaters Harald Dreßing zeigt, dass sexueller Missbrauch durch katholische Priester kein historisches Phänomen ist, sondern ein anhaltendes Problem: Die Quote der Missbrauchsvorwürfe ist seit 2009 nicht gesunken. Bemerkenswert ist, dass gegen Diakone seit 2010 keine neuen Vorwürfe vorliegen – möglicherweise weil sie nicht zum Zölibat verpflichtet sind und weniger klerikale Macht ausüben.
Der Artikel erinnert an die Synode 72 (1972–1975), die nach dem Zweiten Vatikanum durchgeführt wurde und zeigt, dass synodale Strukturen in der Schweizer Kirche historisch vorhanden waren. Papst Franziskus fordert eine „heilsame Dezentralisierung" und strukturelle Reformen, um die Kirche missionarischer zu gestalten. Historische Beispiele wie die Benediktiner-Regel und die zisterziensische Parlamentarismus-Tradition zeigen, dass kirchliche Gemeinschaften sich selbst Regeln geben und damit Machtkonzentration begrenzen können. Echte Partizipation und verbindliche Regelwerke für die Mitsprache sind notwendig, um Missbrauchsdynamiken strukturell zu bekämpfen.