Der Artikel analysiert mittelalterliche Armutsbewegungen als bedeutsames, aber oft vernachlässigtes Thema des Religionsunterrichts. Er argumentiert, dass diese Bewegungen zeigen, dass die Kirche vielfältig und von innerkirchlichen Reformbewegungen geprägt war. Zentrale Kennzeichen waren die freiwillig angestrebte Armut, Predigttätigkeit und apostolisches Wanderleben, motiviert durch die biblische imitatio Christi und das Ideal der Gütergemeinschaft der Urgemeinden. Nach Herbert Grundmann intensivierte sich ab der Mitte des 11. Jahrhunderts das religiöse Leben in verschiedenen Formen wie Zisterzienser, Bettelorden und radikale Laienbewegungen. Diese entstanden parallel zu unfreiwilliger Armut durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche (Urbanisierung, Geldwirtschaft, neue Wirtschaftsformen). Der Artikel beschreibt kirchlich anerkannte Bewegungen wie die Prämonstratenser unter Norbert von Xanten und die eremitischen Gemeinschaften in Westfrankreich, die radikal Armut lebten und der Augustinusregel folgten. Die Waldenser und Katharer werden als alternative, teils nicht anerkannte Bewegungen behandelt. Der Artikel betont, dass diese Bewegungen primär religiös motiviert waren, aber auch gesellschaftliche Reaktionen auf Reichtum und Ungleichheit darstellten und der Kirche Druck durch alternative Frömmigkeitsformen ausübten.