Der Artikel analysiert Dekonstruktion zunächst aus philosophischer Perspektive als poststrukturalistische Kritik des Strukturalismus und der abendländischen Metaphysik. Jacques Derrida zeigt auf, dass Strukturbildung durch den Ausschluss nicht-konformer Elemente funktioniert und daher fragil ist. Seine Kritik richtet sich gegen den Logozentrismus und Phonozentrismus des Abendlandes, die das gesprochene Wort und rationale Präsenz privilegieren. Derrida setzt dem Denken der Differenz entgegen, verkörpert im Neologismus différance, welches Anderssein und Aufschub zugleich bedeutet. Der Artikel erläutert dann die literaturwissenschaftliche Rezeption durch die Yale-School, die Dekonstruktion als spezifische Lektürepraxis transformierte. Typisch für dekonstruktive Lektüren ist ihr antihermeneutischer Charakter, der klassische literaturwissenschaftliche Axiome wie Sinnkohärenz oder Autorintention problematisiert. Der Autor argumentiert, dass Dekonstruktion für die Religionspädagogik wertvoll sein kann, um aus etablierten Denkfiguren auszubrechen und das bibeldidaktische Repertoire zu erweitern, obwohl dies zunächst paradox erscheint angesichts des antitheologischen Potentials von Derridas Ansatz.